Ein langer Tag

Jedenfalls wäre heute ein recht unbemerkenswerter Tag gewesen, wäre da nicht der Notruf von dem Kaufhaus bei unserer Apotheke gewesen. Eine Person ist umgekippt. Das ist nicht das erste Mal. Im Normalfall schnappe ich mir dann Handschuhe – oft haben die umgekippten ziemlich hässliche Platzwunden am Kopf und die bluten, dazu Blutdruckmessgerät und Traubenzucker.

Wie ich ankomme steht die Person schon fast wieder, was ich allerdings ob der eher schwankenden Erscheinung der kleinen, netten älteren Frau eine nicht so gute Idee finde, so dass wir sie erst mal wieder hinsetzten. Soweit so gut. Sie blutet etwas an der Hand, wo sie sich am Gestell angeschlagen hat, ansonsten keine sichtbaren Verletzungen. Ich frage sie
„Können Sie sich erinnern, wie sie umgefallen sind?“
…. Die Frau blickt mich an, lächelt und sagt „…Ja…“ Ok. „Wie heissen Sie?“ Die Frau blickt mich an, lächelt und sagt „…Ja…“. Ok, nicht so gut. Das ist nicht unbedingt die Antwort, die man auf eine solche Frage erwartet. Auch auf meine weiteren Fragen bekomme ich nur immer ein „Ja“ und sonst gar nichts. Nur einmal murmelt sie etwas von Ihrer Brille, daraus schliesse ich zumindest, dass hier nicht ein Sprachproblem vorliegt. Fieberhaft gehen mir mögliche Ursachen durch den Kopf: Gehirnerschütterung? Unterzuckerung? Schläglein? Es könnte alles Mögliche sein, auf jedenfalls gehört sie unter fachliche Pflege. Also lasse ich nach der Sanität rufen, aber die ist schon alarmiert und unterwegs.

Ich nehme mir die Brieftasche der alten Dame vor und durchsuche sie nach Ausweis. So finde ich heraus, wie sie heisst, Ihren Arzt und dass sie Epileptikerin ist. Das könnte die Ursache für Ihren Unfall gewesen sein, aber ob es die Erklärung ist für Ihre daran folgende geistige Abwesenheit? Es gibt ja mehr als nur die spektakulären Grand Mal Anfälle, die man in Filmen so spektakulär darstellen kann, wie man nachlesen kann.

Die Sanität kommt, die Dame ist immer noch nicht kommunikativer, also nehmen sie sie mit. Ich bin gespannt, ob ich wieder etwas von ihr höre.

3 Antworten auf „Ein langer Tag

  1. Das hab ich mich schon ein paar mal gefragt: muss man eigentlich irgendeine Art von Notfalltraining gemacht haben, wenn man als Apotheker(in) arbeitet?
    Medizinstudenten müssen (zumindest in Deutschland) ja auch in der Vorklinik einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen…. Gibts da irgendeine vergleichbare Regelung? Oder schöpfst du da aus deinem Erfahrungsschatz?

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  2. Den Erste-Hilfe Kurs mussten wir im Studium tatsächlich auch machen – inklusive CPR. Auch jetzt gibt es immer wieder Fortbildungen wie „Notfälle in der Apotheke“ die von Sanitätern gehalten werden und die ich sehr gerne besuche.
    Wir sehen es noch gelegentlich, dass jemand umkippt, meistens (aber nicht immer) im EInkaufszentrum, da macht es schon Sinn helfen zu können, bis der Rettungswagen anrückt.

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