Wechselgeldbetrüger

Scheinbar kommen mehr Gauner heraus, je näher es an Weihnachten geht.

Nach einem mail des lokalen Apothekervereins waren wir schon vorgewarnt, aber letzte Woche hatten wir einen ziemlich typischen Fall:

Die Kundin kommt, kauft etwas günstiges ein, sie zahlt – meine Kollegin gibt das Rückgeld heraus, die Kundin dreht sich um. Meine Kollegin versorgt das Geld und schliesst die Kasse. In dem Moment dreht sich die Kundin wieder zurück und sagt: „Ich habe aber mit einer Hunderter-Note bezahlt. Sie haben mir nur auf 50 herausgegeben!“

Die Kollegin ist vollkommen überrascht, ist aber sicher, eine Fünfzigernote in die Kasse versorgt zu haben, darum leistet sie Widerstand: „Nein, ich bin sicher, es war eine 50er Note!“

Darauf wechselt die Kundin die Sprache – auf einmal kann sie kein Deutsch mehr, nur noch englisch und redet schnell, wobei sie mit ihrem Portemonnaie fuchtelt auf sie ein.

Das ist der Punkt, wo man mich zu Hilfe holt.

Beide erzählen mir ihre Geschichte – ich erkläre der Kundin ruhig, dass ich das jetzt so nicht entscheiden kann – aber Morgen früh, wenn die Kasse gemacht wird, sieht man schnell, ob 50 Franken zuviel drin sind. Sie soll mir ihren Namen angeben und morgen noch mals vorbeikommen.

Die Kundin ruft immer noch aus, meint sie sei nur jetzt hier und wohne nicht in der Nähe, sei nur auf der Durchreise … ich bleibe hart. Wenn sie mir ihre Adresse angibt, kann ich es ja gegebenenfalls schicken.

Will sie aber auch nicht.

Dieser Trickbetrug funktioniert mit Täuschung und dem Überaschungseffekt. Viele lassen sich dazu drängen das Geld zu geben.

Man kann sich dagegen zu Wehr setzen, indem man sich immer genau merkt, was gegeben wurde oder es sogar so auf dem Kassabon eingibt. Ist der Verkauf abgeschlossen, darf man sich nicht bedrängen lassen, das oben ist eine gute Variante, Zeit zu gewinnen.

Übrigens: nein, es war nicht zuviel Geld in der Kasse … und die „Kundin“ ist auch nicht wieder aufgetaucht.

9 Antworten auf „Wechselgeldbetrüger

  1. Und wenn solche Leute ganz penetrant werden: Einfach direkt nen Kassensturz machen(wenn man mehrere Kassen hat und die eine nicht grad dringend fehlt). Muss die „Kundin“ halt warten.

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  2. ich hab mal in der bäckerei erlebt, dass eine richtig lautstark angefangen hat zu zetern, wegen genau einer solchen sache.
    die masche ist ja, möglichst viel aufmerksamkeit zu erlangen und den verkäufer zu „erpressen“, ihn schlecht dazstehen zu lassen.

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  3. @Mausflaus: Ja, „Zettern“ ist der richtige Ausdruck. Das ist der 2. Versuch, wenn Nr. 1 (der Überraschungseffekt) nicht funktioniert hat.

    @leocat: Ist nicht ganz so einfach wenn man nur 2 Kassen hat und mitten in der Hauptverkaufszeit auch noch eine Angestellte abzuzuiehen. Da wartet nicht nur die 1 Kundin sondern gleich ein paar, die mit dem Ganzen eigentlich nichts zu tun hatten.

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  4. Einen Kassensturz hätte ich jetzt auch vorgeschlagen. Kann ich mir schon vorstellen, dass das schwer sein wird. Geld verschicken per Post ist bestimmt auch nicht so einfach. Blöde Zwickmühle

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  5. Ich bin schonmal auf einen reingefallen, der war aber auch sehr geschickt. Hat was gekauft für ca. 10 euro und hielt den 50er hin, so dass ich schonmal Geld aus der Kasse geholt habe und derweil redete er auf mich ein und fragte sachen zum Angebot. tja und irgendwie fehlten nachher genau die 40 euro….
    Mir ist erst hinterher aufgefallen, dass ich nicht sicher bin, ob auch geld in der Kasse gelandet ist.

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  6. Deshalb: ab einer bestimmten Scheingröße den Schein immer mit der rechten Hand auf der Theke festkrallen und mit der linken das Geld aus der Kasse holen.
    Beim Rausgeben den großen Schein leicht hochhalten und laut vorzählen. Erspart eine Menge Streß.]

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  7. Joa, sowas hatte ich auch schonmal zu meinen Kassierzeiten. Da gibts aber die nette Anweisung -> sofort zum Kassensturz. Dauert nur 5 Minuten, solange müssen die anderen halt etwas anstehen an den verbleibenden Kassen.

    Blöde war nur dem Kunden zu erklären, dass die Kasse stimmte und er mir wirklich einen kleineren Schein gegeben hatte. Der war davon nicht zu überzeugen. In dem Fall wars aber m.E. kein Trickbetrüger sondern einfach nur ein älterer Herr, der keine Übersicht über sein Bargeld hatte.

    50€ zuviel in der Kasse kamen leider auch schonmal vor. Die Kassenchefinnen haben den einbehalten und geschaut ob sich noch jemand meldet, kam aber keiner, auch nach 2 Monaten nicht. Das war zu Zeiten als der Euro noch neu war und die Scheine sehr zusammenklebten. Da hat der Kunde nicht bemerkt, dass er 2 statt einem 50er abgegeben hat und ich habe nicht gemerkt, dass ich 2 bekommen habe, trotz Echtheitsprüfung. :( ärgerlich, denn irgendwann wird der Kunde schon gemerkt haben, dass er so viel Geld „verschenkt“ hat und er wusste wahrscheinlich nicht mehr, in welchen Laden das war.

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  8. Erstens: Scheine oder Fünfliber lege ich IMMER vor mir auf die Theke (ist gross genug, dass keiner das weggrapschen kann), bis ich das Wechselgeld herausgezählt habe. So kann ich den Originalschein vorweisen im Zweifelsfall.
    Zweitens: Wer laut wird, hat meist unrecht – also höchst höflich bleiben, laut sprechen, dass die andern Kunden auch die eigene Aussage mitbekommen und egal wieviel Kundschaft ansteht Kassensturz machen – oder anbieten, die Polizei herbeizurufen, um das zu klären.
    Unehrliche werden liebend gern auf den Beizug der Polizei verzichten.
    Falls man in der Aufregung dran denkt: Personenbeschreibung in Gedanken notieren und gleich anschliessend aufschreiben, und später der Polizei melden.

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  9. Ich hatte diese Situation jetzt letztens im Prinzip umgekehrt. Die Verkäuferin gab mir Geld raus und ich war mir sicher, dass sie mir zu viel raus gegeben hat (5 Euro zu viel). Wir haben dann ein bißchen hin und her diskutiert und dann hat sie sich meine Nummer an der Arbeit aufgeschrieben und hat gesagt, dass sie sich meldet, wenn die Kasse nicht stimmt und sie die 5 € dann erst einmal da behält. Da sie dann nicht angerufen hat, gehe ich mal davon aus, dass ich Recht hatte. *lach*

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