Wie eine Nähmaschine …

Telefon.

Kundin: „Hallo, ich wollte wissen, ob der Arzt mein Rezept geschickt hat. Dr. Müller sollte es eigentlich gestern faxen, aber es könnte auch erst heute morgen gewesen sein. Ich wollte eigentlich gestern abend schon anrufen und fragen ob es da ist, aber dann dachte ich, heute morgen ist besser – falls er es erst heute geschickt hat.  Ich habe mit der Praxisassistentin gesprochen – ich glaube ihr Name ist Meier-Müller-Schmid und sie hat mir gesagt, dass sie es schicken. Ich habe fast keine Tabletten mehr und brauche unbedingt neue – kann ich sie heute holen kommen? Ich hoffe, sie haben das Rezept gestern bekommen – oder heute, weil morgen kann ich nicht kommen und die Tabletten holen, dann würde es wieder Freitag werden und bis dann reichen meine restlichen Tabletten nicht. Ist das Rezept da?“

(Ah, eine Pause!)

Pharmama: „Fangen wir doch damit an: Wie ist denn ihr Name?“

(Dann kann ich nämlich endlich nachschauen gehen…)

 

Mein Mann sagt bei diesen Leuten: das ist wie bei einer Nähmaschine – da kann man auch nicht einfädeln, wenn sie läuft.

Kennt ihr das?

Apotheken in aller Welt, 80: Reit im Winkel, Bayern, Deutschland

Michaela vom Blog schickt uns dies:

Wir waren dieser Tage in Reit im Winkel, da habe ich diese schöne Apotheke für Dich fotografiert. Ich hoffe, Du hast sie noch nicht in Deiner Sammlung.

Nein, die habe ich noch nicht – ihr müsst auch keine Angst haben, im Moment habe ich noch nicht hunderte Bilder von Apotheken, da draussen gibt es noch sooo viele mehr – und falls ihr wirklich mal eine erwischt, die ich schon habe – dann hänge ich Euer Bild an den Post an und poste ihn neu.

Und Leute: ich brauche Eure Bilder! Denn: im Moment habe ich gar keine mehr :-( Gut, meine Eltern bringen hoffentlich von Kolumbien welche zurück und auch wir gehen wieder in die Ferien, aber ich finde es schön, Eure Einsendungen zu bekommen! Also: egal ob exotisch oder heimisch: Schickt mir Eure Apothekenbilder an pharmama08(at)gmail.com.

Bald wohl auch bei uns …

In Amerika reguliert die FDA (das ist wie die swissmedic in der Schweiz, die zuständig ist für Zulassung und Sicherheit der Medikamente) den maximalen Paracetamol-Gehalt nach unten. Der Grund ist, dass das Paracetamol die Hauptursache für medikamentös bedingtes Leberversagen ist. Neu dürfen maximal 325mg Paracetamol pro Tablette vorhanden sein.

Betroffen sind allerdings nur Kombi-präparate mit Codein, Hydrocodon, Butalbital – alle rezeptpflichtig, weil sie als Opiate, respektive Barbiturat unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Wer ein bisschen in amerikanischen Blogs liest (von Ärzten und Apothekern), weiss, das das Problem dabei hauptsächlich im Missbrauch eben dieser Produkte liegt. Es gibt anscheinend eine Menge Leute, die das nur nehmen, weil es ihnen einen „Kick“ gibt – dass da noch Paracetamol drin ist, ist dafür nebensächlich – und genau darum gibt es diese „akzidentelle Überdosierung“.

Mehr als 4g Paracetamol pro Tag sind giftig für die Leber … und wer dazu Alkohol trinkt verschlimmert das Problem noch.
Das Missbrauchsproblem der Tabletten wird durch diese Massnahme allerdings kaum kleiner .. eher grösser.

Mehr nachzulesen hier:

Und weil Amerika was neu entdeckte Nebenwirkungen und Produktrückzüge Vorreiter ist (kaum verwunderlich, wenn man an die Menge Leute denkt, die dort Medikamente schlucken – und auch an die vielen Medikamente, die es praktisch im Supermarkt in Grosspackungen zu haben gibt – Wechselwirkungen irgendwer?) dann kann man sich vorstellen, dass diese Einschränkung bald auch zu uns kommt.

Liebe Krankenkasse …

Liebe Krankenkasse, die ihre Kunden zwingt die Medikamente in der Apotheke selbst zu zahlen (Ihr wisst, wer Ihr seid!).

Ich finde euer Verhalten Euren (oft langjährigen) Kunden gegenüber unfair und noch übler finde ich, wenn ihr dem Kunden, der wirklich ein Problem damit bekommt, sagt: „Die Apotheke kann ihnen ja eine Rechnung dafür stellen.“

Das ist etwa so, als ob ich jemandem rate: „Lassen sie es doch im Lebensmittelgeschäft anschreiben.“

Vielleicht machen die das ja – aber wenn, ist das Risiko beim Lebenmittelgeschäft und die Entscheidung deshalb auch. Dasselbe gilt für uns. Wenn ich daran denke, wie oft ich bei den paar, wo wir das mache, dem Geld nachrennen muss, habe ich da gar keine Lust drauf.

Ihr habt (einseitig) den Vertrag mit den Apotheken gekündet und wir (Apotheken) sollen jetzt dafür gerade stehen?? Aber Bitte!

 

So, fertig geärgert. – aber wen’s interessiert, wie das auf Kunden/Patienten-seite aussehen kann, wenn die Versicherung nur noch selektiv Verträge mit Apotheken macht, der lese mal das hier:

Herpes simplex – nicht so simpel.

Eine junge Frau kommt in die Apotheke und verlangt: „Eine Tube Zovirax Creme!“

Als sie die 2 Gramm Tube sieht, verzieht sie das Gesicht und sagt: „Haben sie die nicht in grösser?“

Pharmama: „Nun, die grösseren, die 5 oder 10 Gramm Tube gibt es nur auf Rezept. Warum denken Sie, dass ihnen diese hier nicht reicht?“

Frau: „Ich will sie nicht für Fierberblasen sondern für meinen Genitalherpes.“

Ah.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich derartiges schon vermutet habe – nicht nur waren keine Fieberbläschen sichtbar, die Art wie sie durch die Apotheke zur Theke gelaufen ist – eher ein breitbeiniges Stockeln -waren eigentlich Hinweis genug.

Genitalherpes ist schmerzhaft – anscheinend speziell die ersten Male. Zovirax ist zwar zur Behandlung von Herpes – aber bei der Zovirax Lip steht ausdrücklich:

Zovirax Lip kann zur Anwendung auf Schleimhäuten, wie im Mund, am Auge oder an den Geschlechtsorganen nicht empfohlen werden, da es zu einer Irritation kommen kann.

– dabei glaube ich nicht mal, dass es einen grossen Unterschied in der Zusammensetzung gibt.

Nach einiger Diskussion habe ich ihr doch 2 der kleinen Tuben gegeben und ihr geraten sofort zum Frauenarzt oder in die Notfallsprechstunde des Frauenspitals zu gehen.

Apotheken in aller Welt, 79: Plymouth, England

Neuleser Bert hat sich die Mühe gemacht und aus alten Ferienfotos diese hier herausgesucht:

Eine Apotheke, die Du anscheinend noch nicht präsentiert hast, habe ich im Frühjahr 2008 in Plymouth besucht. Dort findet sich im Obergeschoss eines alten Fachwerkhauses, das als Museum über die Geschichte der Stadt informiert (Seefahrt/Handel, „Great War“ etc.), eine originale Apotheke („Park Pharmacy“), die nach Geschäftsaufgabe des Inhabers komplett gestiftet und dort eingerichtet wurde. Wie das in England üblich zu sein scheint, ist dort ein/e Freiwillige/r anzutreffen, der/die mehr als nur die Texte auf den Flugblättern weiss. Unsere Informantin erzählte, dass sie noch als Kind (in den fünfzigern) selber Kundin in der Apotheke war – für jemanden, der seine geringen Medikamenteneinkäufe in einem Laden Baujahr ca 2004 macht (aus der Praxis heraus, ich habe hier drei Neubau-Apotheken mit mässig sympathischem Personal und null Flair zur Auswahl) ist das Sammelsurium an Flaschen und Gedöns schon einschüchternd. Bis zum Ruhestand des vormaligen Inhabers hatte er es dort wohl auch zig Jahre ohne grössere Innovationen ausgehalten :-)

Ja, das ist schon speziell so eine historische Einrichtung, charmant irgendwie – aber für die heutige Gesetzgebung nicht mehr kompatibel. Leider.

Tolle Bilder jedenfalls! Danke für’s teilen!