Freie Wahl der Apotheke

Das ist etwas, das sogar im Gesetz festgeschrieben ist:
Art. 41 Abs. 1 KVG garantiert den Versicherten ausdrücklich die freie Wahl des Leistungserbringers, und dazu gehört auch Ihre Apotheke.

Der Patient kann also wählen, wo er seine Medikamente beziehen will (SD-Arzt, Apotheke, Versandapotheke). Nur … und ich spreche aus eigener Erfahrung: es ist noch schwierig beim SD- Arzt „Nein“ zu sagen. Umso stossender finde ich dann das hier:

Auszug aus einem – Das ist in Luzern, einem Kanton, der schon seit Jahren die Selbstdispensation der Ärzte erlaubt.

Seit etlichen Jahren muss ich mich zweimal im Jahr von meinem Herzspezialisten checken lassen, der mir auch Medikamente verordnet, die einen Quick in regelmässigen Abständen beim Hausarzt unumgänglich machen. Vor etwa einem Jahr eröffnete mir [mein Hausarzt], dass er möchte, dass ich die vom Herzspezialisten verordneten Medikamente künftig bei ihm kaufe. Er wolle nicht, dass ich diese andersweitig beziehe, was ich aber eher als schlechten Witz verstand.

Bei der kürzlich erfolgten Visite eröffnete mir [mein Hausarzt] glasklar: Entweder bestelle ich die Medikamente sofort bei ihm, oder er behandle mich nicht mehr. Ich sei für ihn als Patient unrentabel, er lege bei mir drauf und mit solchen Patienten könne er ein Dreierteam in seiner Praxis nicht finanzieren. Aber hallo, wo sind wir denn angelangt?

Schön, nicht?

Die Anwort des Arztes, der Unterstützung von 10 Kollegen bekommt steht in derselben Zeitung:

Für die Luzerner Ärzte ist der Verdienst aus dem Medikamentenverkauf nicht ein Zusatzeinkommen. Dieser Ertrag ist ein mit den Krankenkassen ausgehandelter Teil des Arzt-Gesamteinkommens.

Der Verdienst an den abgegebenen Medikamenten ist in den letzten Jahren konstant gesunken …

Was sollen denn da die Apotheken sagen, für die das das Haupteinkommen und Lebensunterhalt ist?

Wer seine Medikamente nicht bei seinem Hausarzt/bei seiner Hausärztin bezieht, der fügt – bewusst oder unbewusst – der Hausarztmedizin Schaden zu.

Ich erinnere an den Slogan den die Zürcher und zuletzt die Aargauer Ärzte zugunsten ihrer Selbstdispensation anführen:
„Wahlfreiheit beim Medikamentenbezug“so sieht die also aus.

Der Arzt moniert im Brief auch den tiefen Tarifpunkt im Kanton – der allerdings wohl auch in Hinsicht auf seinen Zusatzverdienst mit dem Medikamentenverkauf so gewählt wurde. Ich kann mich nur wiederholen: gebt den Ärzten einen anständigen Grundlohn, dann muss er nicht noch Medikamente verkaufen und es passieren solche Sachen wie oben auch nicht

Besten Dank an für den Artikel von Mühlemann Heidi, die sich des Themas auch annimmt.

6 Antworten auf „Freie Wahl der Apotheke

  1. Das ist ja schon eine derbe Aussage des Hausarztes. Ab da hätte ich kein Interesse mehr an einer „Zusammenarbeit“.

    Mag sein, dass ich einem alten Vorurteil unterliege, aber nagen Ärzte heute wirklich am Hungertuch? Da wir privat versichert sind sehe ich, was die Ärzte auf die Rechnung drauf schreiben und bin doch immer wieder verwundert, was sie alles gemacht haben (wollen). Und auch, wie der Aufwand war, der dann eine Erhöhung des Faktors „gerechtfertigt“.

    Liken

    1. „Ab da hätte ich kein Interesse mehr an einer „Zusammenarbeit“. “

      Dito! Und das würde ich diesem Arzt auch genau so mitteilen.

      Liken

  2. So etwas ähnliches hat mein Hausarzt in D auch versucht. Es gibt ja diese Hausarztverträge, die man mit seiner Kasse abschließt und dann immer erst zum Hausarzt gehe, der dann an mir bissl rumdoktert und mich dann (eventuell) zu einem Facharzt SEINER Wahl überweist.

    Ich habe diesen Vertrag nicht unterschrieben, weil meine Kasse den gar nicht anbietet. Eines Tages kam dann von dem Arzt ein Brief, ich MÜSSE den Vertrag unterschreiben, ansonsten solle ich gar nicht mehr kommen, er wird mich nicht mehr behandeln… Ich habe daraufhin meine Kasse angerufen und nachgefragt, was da los ist, ob es denn mittlerweile so einen Vertrag gäbe. Den gabs natürlich nicht und die Kasse hat sich mit dem Arzt in Verbindung gesetzt. Keine Ahnung was rausgekommen ist.
    Nach soetwas hatte ich auch kein Interesse mehr an einer weiteren Zusammenarbeit und habe den Hausarzt gewechselt

    Liken

  3. Der Arzt ist doch klasse.
    Eine ehrliche Haut, die seinen Interessenkonflikt offen zugibt und dem Patienten nicht mit fadenscheinigen Begründungen die Hucke volllügt. Was will man mehr, da weiss man wo man dran ist.
    Außerdem liefert er einen schönes Argument, dass Ärzte nicht dispensieren sollten. Das ist doch eine tolle Steilvorlage.

    Liken

  4. Das erinnert mich an ein Pflegeheim bei uns in der Nähe. Auch in Deutschland sollte der Patient seine Apotheke frei wählen können (selbst im Heim!).

    Im hiesigen Pflegeheim geht aber alles nur an die Apotheke mit der das Heim einen Vertrag hat. Möchte der Patient das nicht, muss er sich selbst darum kümmern, dass sowohl das Rezept als auch die Medikamente zu ihm gelangen. Und wenn er das nicht selbst tun kann, müssen seine Angehörigen dafür sorgen. Logisch, dass das keiner macht, weil der andere Weg (Arzt verschreibt und Heim-Vertrags-Apotheke liefert) ja viel bequemer ist.

    So viel zur „Freien Apothekenwahl“ – das ich nicht lache!

    Liken

    1. Wobei ich da jetzt kein Problem sehe.
      Das Heim hat einen Liefervertrag mit einer Apotheke, die die gesamte Medikation der Heimbewohner liefert. Solange gewahrt bleibt, dass ein Heimbewohner seine Medikation auch durch seine Lieblingsapotheke beziehen kann, sollte die Sache in Ordnung gehen. Und wenn ein Heimbewohner den bequemen Weg über die Partnerapotheke wählt, dann ist ihm da eigentlich nichts vorzuwerfen.

      Ein Abschluss eines solchen Liefervertrags hat für das Heim den Vorteil, dass es die gesamte Medikation von einer einzigen Quelle beziehen kann. Weiterhin kann es mit dem Lieferanten gewisse Anforderungen an die Lieferung vereinbahren, beispielsweise bestimmte Lieferzeitpunkte, QMS-Zertifizierung, Einzelverblisterung von Medikamenten, etc. Evenuell wurde auch vereinbart, gewisse Arzneimittel für enterale oder parenterale Ernährung gezielt anzufertigen.

      Sowas würde ich unter „normaler Wettbewerb“ verbuchen, da Dir ja jederzeit die Möglichkeit offensteht, ein besseres Angebot als die Konkurrenzapotheke zu machen.

      Liken

This site uses Akismet to reduce spam. .