In (Land in Afrika/Asien) bekomme ich das günstiger!

„Ich kaufe mein Malaria-medikament in Afrika (oder Asien), da bekomme ich es viel billiger.“

Wer Reiseberatung macht in der Apotheke hat das so oder ähnlich sicher auch schon gehört.

Bisher habe ich den Leuten davon abgeraten – nicht nur, dass an die 40% der in manchen afrikanischen und asiatischen Ländern erhältlichen Medikamente gefälscht sind (und so ziemlich alles enthalten können), gibt es offenbar auch ein Problem mit den regulär hergestellten Medikamenten.

So schreibt die DAZ (deutsche Apotheker Zeitung), dass 10% der von der WHO zugelassenen Antimalaria-Medikamente nicht die geforderte Menge an Wirkstoff enthalten.

Bei einer Vielzahl der minderwertigen Produkte handele es sich nicht schlicht um Fälschungen, so die Autoren der Studie; vielmehr seien mangelhafte Produktionsprozesse für die Qualitätsmängel verantwortlich, Sie sprechen sich daher für Arzneimittel-Kontrollen auch in ärmeren Nationen aus …

Das Problem betrifft nicht nur Malaria Medikamente (wo es offensichtlich schon für erste Resistenzen verantwortlich ist) sondern auch Medikamente zur Tuberkulose-Therapie und anderen bakteriellen Infektionen.

In die Studie wurden Arzneimittel aus Afrika, Brasilien, Russland, China, Indien und Thailand sowie der Türkei einbezogen die vor Ort in Apotheken bezogen wurden.

Ich weiss aus eigener Erfahrung vom Reisen, dass die Medikamente in diesen Ländern oft sehr viel günstiger sind. Aber ich nehme die wichtigen von zu Hause mit – da bin ich, was Qualität und Wirkung angeht zumindest sicher.

19 Antworten auf „In (Land in Afrika/Asien) bekomme ich das günstiger!

  1. Ich weiss nicht, wie es heutzutage ist, meine letzte Reise ins südliche Afrika war 2004, und da hatten wir tatsächlich Malarone von hier dabei. Aber auf allen früheren Reisen nach Südafrika und Namibia haben wir uns vor Ort eingedeckt. Damals reichte allerdings noch Chloroquin… Ich stand auf dem Standpunkt, dass im Land der ersten Herz-Transplantation hoffentlich ein in einer seriösen Apotheke gekauftes Medikament auch enthält, was draufsteht.
    In andern Ländern wäre ich nicht so „mutig“ gewesen.
    Aber mein Bruder und ich sind damals auch immer in Johannesburg zum Zahnarzt gegangen, der billiger war als hier und moderner ausgestattet als dieunsere Schweizer Zahnärzte.

    Liken

  2. Darf man solchen Leuten eigentlich mit der Bemerkung kommen, daß sie damit auch dafür sorgen, daß die Pharmaforschung aus Europa abwandert? Außerdem denke ich doch, daß die Medikamente doch auch von den Einheimischen gebraucht werden (Medizin wächst ja heutzutage eher nicht mehr auf Sträuchern und Bäumen).

    Liken

      1. Piepefatz(?) Wie geil (‚tschuldigung) ist das Wort denn?
        Darf ich das sofort und für immer in meinen gepflegten, seriöses und hyperkompetenten Wortschatz übernehmen?
        Bütteeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

        Liken

  3. Ich bin in der Hinsicht nicht wirklich informiert, aber das Halbwissen, dass ich irgendwie zusammengetragen habe, pocht gerade gegen meine Schädeldecke und fragt: Die nicht gefälschten Medikamente, die in diesen Ländern verkauft werden, sind diese nicht von europäischen bzw. amerikanischen Pharmafirmen? Wie kann dann zu wenig Wirkstoff in den Medikamenten sein? Packen die einfach weniger in das Medikament und verkaufen es dann günstiger z.B. in Afrika oder Asien?

    Liken

    1. Medikamente fallen ja nicht vom Himmel. Sie müssen also irgendwo auch produziert werden.
      Die Produktionsstätten stehen also nicht in Europa/USA sondern im dortigen „Heimatland“.

      Ich zitiere aus dem DAZ Artikel: …“vielmehr seien mangelhafte Produktionsprozesse für die Qualitätsmängel verantwortlich,..“

      In der Apotheke bekommen wir immer Donnerstags die PZ (Pharmazeutische Zeitung) und/oder die DAZ (deutsche Apotheker Zeitung) da sind Arzneimittelrückrufe und andere wichtige Infos wie Beipackzetteländerungen drin veröffentlicht.
      Übrigens, wenn ein Arzimittel SOFORT zurückgerufen wird, gibt es sogenannte Rote Hand Briefe, die einerseits gefaxt werden, andererseits als Brief kommen und zusätzlich sicherheitshalber auch noch in den nächsten Warenlieferungen mitdrin liegen.

      Ich habe gerade mehrere Medikamente einer Firma aussortiert, die in Indien produzieren lässt. Da war ein Tablettenhilfstoff nicht ganz so hygienisch, wie gefordert. Die Tabletten wurden alle zurückgerufen.
      LG Boreal

      Liken

      1. … und das ist der Grund, weshalb ich einigermassen froh darüber bin, dass bei uns (in der CH) Parallelimporte noch nicht erlaubt sind. Ich glaube die Qualitätskontrolle da dürfte gelegentlich schwierig sein.

        Liken

        1. Man muss es differenziert sehen. Nicht alles, was aus dem Ausland kommt, ist schlecht.

          Aber als meine langjährige Lebenspartnerin mir erzählt hat, dass sie jetzt bei ihrer Pille neuerdings einen 5 Euro günstigeren Reimport hat, habe ich als Apotheker aus der Industrie ihr vorgeschlagen, dass wir diesen Monat doch etwas unkonventionell mit Kondom verhüten werden. Man hat da in der Industie doch den etwas größeren Überblick, was der Unterschied zwischen der Dokumentationspflicht in Deutschland und der Dokumentationspflicht in anderen Ländern ist. Meine Meinung: No way! Pille aus dem Ausland nicht für 5 Euro billiger!
          Würde ich als Industrieapotheker deutlich auch für alle anderen Medikamente unterschreiben.

          Liken

          1. Ich würde sagen, da kommt es doch wohl auch darauf an, aus welchem Land der Reimport kommt. In allen EU-Ländern dürfte der Standard der gleiche sein, aber für die Preise gilt das noch lange nicht: frei verkäufliche Schmerzmittel sind in Frankreich beispielsweise über 40% des deutschen Preises billiger als das gleiche Produkt in Deutschland. Die Calcium-Sandoz, die meine Mutter regelmäßig nehmen muß, sind in Frankreich 30% billiger, in Italien sogar 40%.
            Und die deutlich höhere Geburtenrate in Frankreich liegt sicher auch nicht an schlechten Pillen.

            Liken

  4. Wenn man sich z.B. Rabipur (Tollwut) in Singapur spritzen lässt, ist es deutlich günstiger. Singapur dürfte extrem hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards haben

    Eher eine Frage, wie ich das Impfschema einhalte

    Liken

    1. Ein interessanter Artikel hier auch zum Thema:

      Man beachte, dass auch Singapur erwähnt ist – leider haben sie es nicht noch aufgeteilt, so dass Singapur zusammen mit Kambodscha, Thailand, Vietnam und China zusammen erwähnt ist – mit 38% gefälschten Medikamenten, als Spitzenreiter wird lediglich Vietnam mit 64% Fälschungen erwähnt (!). Vielleicht ist Singapur nicht gar so schlimm, aber es dient heute häufig als Umschlagplatz für gefälschte Medikamente.
      Was die Tollwut-Impfung angeht: würde ich zuhause machen lassen, wenn ich weiss, dass ich mit Tieren Kontakt habe. Falls ich das nicht erwarte und es dann doch passiert „Kann“ ich innert 24 Stunden noch das Impfschema Postexpositionell machen …. das ist aber nicht gerade lustig für einen, speziell nicht, wenn ich befürchten müsste, dass es vielleicht nicht wirkt.

      Liken

  5. Ich weiß nicht wie teuer die Medikamente in CH sind, aber in Frankreich, Österreich und die anderen europäischen Länder sind die Medikamente um fast drittel günstiger als in Deutschland.
    Die Medikamente werden von den amerikanischen, europäischen, chinesischen Firmen in die Welt getragen. Oder durch Kooperation mit den Unternehmen vor Ort produziert. Also den schwarzen Peter haben Sie.
    Ich werte den Beitrag und dazugehörigen Schreibstill als versteckter Rassismus, der Ihnen nicht würdig ist.

    Liken

    1. … und in der Regel spiegeln sich in den Medikamentenpreisen auch die allgemeinen Lebenshaltungskosten (inkl. der Verdienste) im jeweiligen Land wieder.
      Im übrigen tragen keine chinesischen oder indischen Unternehmen Produkte auf den deutschen Markt, sondern höchstens ein Partnerunternehmen vor Ort, weil die Zulassungsregularien ganz andere sind.
      Tut mir leid, 2:0 gegen Sie.

      Liken

      1. Die deutschsprachigen Länder sind die größten Verdiener. ;)
        Heißt das nicht „Gewinner“?

        Sie bringen auch mit Partnerunternehmen (Ihren Schweinen) vor Ort die Menschen mit Ihren Waffen um. 3:0 für Sie.

        Zuletzt hat sich Herr Westerwelle über die Bahraindemonstranten ausgelassen, weil sie die Ketten der deutschen Panzer mit ihrem Blut befleckten, als die Panzer über sie rollten! GAS haben sie schon Saddam Hossein geliefert, aber Ofen und GAS zusammen zu exportieren ist noch verboten.

        Where was the Prague Spring located? Or where was the Bahrain Spring located?
        X:0 für Sie.

        Liken

  6. Sehr nett wenn man bedenkt, dass immer mehr Pharmakonzerne nachrechnen, ob sich das Verschieben der eigenen Produktion für den europäischen oder den US Markt in Billiglohnländer lohnt.

    Da sind einige Aktionärs-freundliche Manager der Meinung, dass das schon funktionieren kann, wenn man die Herstellanweisungen nur ausführlich genug schreibt…

    Liken

  7. Also ich schicke Rezepte (aus D) immer nach NL. Da zahle ich nur die halbe Rezeptgebühr. Und der Gesetzgeber versucht diese Möglichkeit gerade abzustellen – wären sicher 400 EUR Mehrkosten im Jahr für mich.

    Liken

This site uses Akismet to reduce spam. .