Zuviel Arbeit abgenommen?

Das Gespräch musste ich letztens mit einer unserer Stammkundinnen führen. Die war von uns sehr enttäuscht.

„Okay, dann haben wir also ein Rezept für ein Medikament, das Sie bei uns bezogen haben vom *falschen* Arzt verlangt und Sie sind jetzt sauer, weil wir wissen *müssten*, dass Sie seit ein paar Monaten nicht mehr zu dem Arzt gehen. Weil das „wieder einer ist, der mich schwer enttäuscht hat“ – einer mehr in einer ganzen Reihe möchte ich noch anfügen.

Aber … denken Sie mal, das wäre nicht passiert, wenn Sie selber dafür sorgen würden, dass die Rezepte für Ihre vor-bezogenen Medikamente zu uns kommen. Wir haben das Rezept für das Medikament von dem Arzt besorgt, der das letzte Mal für dieses Medikamente ein Rezept ausgestellt hat. Da ist es nur logisch, dass wir das wieder von ihm verlangen.

Und Nein, die Rechnung, die sie vom Arzt für das Ausstellen der Rezepte bekommen haben, übernehmen wir nicht.

Auch wenn es nicht der Arzt ist, den sie wollten, eine Rechnung in gleicher Höhe hätte es sowieso gegeben. Die rechnen alle nach dem gleichen System ab.

Manchmal denke ich, wir machen einfach zu viel für manche Leute. :-(

In Deutschland gibt es das Konzept vom Vorbezug so nicht – das bringt dann andere Probleme, aber das sicher nicht.

19 Antworten auf „Zuviel Arbeit abgenommen?

  1. Sicherlich eine dumme Frage (aus dem nicht-wissenden D) – aber ist der rein technische Ablauf? „Patient ruft an, er braucht XY. Apotheke rennt zum Arzt, um Rezept zu holen. Apotheke bearbeitet Rezept. Apotheke ruft Patient an: Alles klar!“ ?

    Oder gibt es das AM schon „vor weg“, und dann holt sich die Apotheke das Rezept vom Arzt? Und wie sieht es aus, wenn der Arzt sich weigert, ein passendes Rezept auszustellen? Kann ja sein, dass er die Therapie ändern/abbrechen wollte. (Als dummes Beispiel würde mir da jetzt „Campral“ einfallen – und der Arzt bricht die Therapie ab, weil der Patient in letzter Zeit eben nicht korrekt mitgearbeitet hat.)

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    1. Gar keine dumme Frage.

      Es kommt drauf an, worum es bei dem Vorbezug geht. Wenn es etwas ist, das die Person regelmässig hatte und braucht (wie Blutdruckmittel, Cholesterinmittel, Schilddrüsenmittel,…), dann machen wir auch mal einen Vorbezug ohne dem Arzt gleich zu telefonieren. Immerhin ist es bei den Sachen meist wichtig, dass man sie auch regelmässig weiter nimmt, und bei uns gibt es (nicht zu vergessen) ja auch Dauerrezepte über 1/2 oder 1 Jahr. -Falls der Arzt doch einen Therapiewechsel wollte, kann er ja dann auch noch mit dem Patienten einen Termin abmachen zur Kontrolle. … Aber meistens wissen das die Patienten ja auch selber, falls das der Fall sein sollte – wenn nämlich irgendwelche Probleme aufgetreten sind.
      Wenn es etwas ist, was nicht regelmässig gebraucht wird, oder etwas neueres, versucht man häufig noch vor Abgabe den Arzt zu erreichen. Dann gibt es auch eher eine kleine Packung von etwas.

      Was, wenn der Arzt sich weigert, ein Rezept auszustellen für einen Vorbezug? – Nun, auch da haben wir in der Schweiz eine etwas andere Gesetzgebung als in Deutschland. Einerseits habe ich die Erlaubnis bereits bezogenes ein (!) weiteres Mal auf einem alten Rezept zu wiederholen innert 1 Jahr und im vernünftigen Rahmen (also keine Betäubungsmittel oder Antibiotika).
      Ich darf „in Ausnahmefällen“ (die ich dokumentieren muss) sogar rezeptpflichtiges ohne Rezept abgeben. Ich bin dann gesetzlich nicht „Off-site“. Aber ich werde eine Bemerkung machen im Dossier (beim Patient, je nachdem auch beim Arzt), dass der keine Vorbezüge wünscht. Dann gibt es dort einfach keine mehr.

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      1. Interessant, wie in anderen Ländern die gesetzlichen Regelungen aussehen. Ich empfinde die deutsche Lösung nicht unbedingt als das Gelbe vom Ei. Und ich habe gerade das Campral-Beispiel gewählt, weil die Einnahme unter Nichteinhaltung der Abstinenz ja eher…. ungünstig ist.

        Aber was ich echt hasse sind die Patienten, die dann immer Freitag nach 15.00 Uhr aufschlagen und feststellen: „Jetzt sind aber alle Tabletten alle! Und der Arzt ist auch nicht mehr da. Was machen WIR denn jetzt?!“ Ich frage dann so nebenbei immer gerne, wie viele Tabletten so ein Blister denn fasst – „10, richtig? – ja… – und ihnen ist erst heute Nachmittag aufgefallen, dass die Letzte gestern abend rausgenommen wurde?“ Fehler macht jeder mal, und meist bekommt man die auch (mehr oder weniger gesetzeskorrekt) gelöst. Aber das obige Beispiel sind immer wieder die gleichen Patienten. Und dann poltern unsere Politiker so gerne von der „wichtigen und zu steigernden Mitverantwortung des Patienten“ und so….

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        1. Nun, was das Campral betrifft … das sollte der Patient ja zuerst merken, dass das nicht ideal ist :-)
          Und diese Patienten … das kannst Du denen zwar sagen, aber erziehen funktioniert glaub nicht.
          Ich finde, den Apothekern in Deutschland wird da zuviel Verantwortung abgesprochen. Es scheint, als trauten sie euch nicht so viel zu. Gut … wir haben für manches Weiterbildungen, damit wir das dann auch können, aber … die allgemeine Richtung scheint mir einfach falsch in Deutschland.
          Ich sollte mich da aber nicht zu weit auf den Ast herausragen. Wenn das neue Heilmittelgesetz durchkommt bekommen wir so wie’s aussieht noch mehr Kompetenzen was die Rezeptpflichtigen Sachen angeht. Dafür nehmen sie uns den Freiverkauf praktisch weg und geben das den Drogisten (und wohl noch an die Supermärkte?) – und nicht zu vergessen die Ärzte, die auch rezeptpflichtige Sachen abgeben/verkaufen. Mal sehen, was uns da noch bleibt.

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          1. Den Apothekern wird hier sicherlich zu viel Verantwortung abgesprochen : Ich erinnere mich noch gut an die Situation, als ich mit einer zerbrochenen (!) Flasche Atrovent abends um halb sechs in der Apotheke stand (obstruktive Bronchitis bei meinem zweijährigen Sohn) und die Apothekerin sich standhaft weigerte, mir dieses Medikament zu geben, da es rezeptpflichtig sei. Nach laaaangem Zureden wurde der Chef konsultiert, der nur schrie: Jetzt geben sie der Frau doch dieses Medikament!…seufz…geht doch….aber ich kam mir so vor, als würde ich gerade Morphium ohne Rezept verlangen…

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          2. Einerseits gebe ich Dir Recht: Es ist wirklich blöd, wenn man der älteren Dame am Samstag ihr dringend benötigtes Blutdruckmedikament nicht geben darf.
            Andererseits sehe ich die Sache mit dem Vorbezug auch kritisch. Da wird es dann nicht wenige Kollegen geben, die dann verschreibungspflichtige Medikamente generell ohne Rezept abgeben werden. Die Situation ist hier sehr kaufmännisch geworden. Ich halte es da für durchaus möglich, dass hier dann die Benzos der Reihe nach ohne Rezept über den Tresen laufen.

            Letztlich muss eine klare Regelung her und zwar ausschließlich für Patienten, die nicht in der Lage sind, sich noch rechtzeitig ein Rezept verschreiben zu lassen, welches sie eh seit Jahren bekommen. Das Ganze mit Dokumentationspflicht und Pflicht zum sofortigem Anruf beim Arzt, sobald dieser wieder erreichbar ist. Ansonsten würde das hier ausufern.

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        2. Genau das ist ja der Mist: Erziehen funktioniert nicht! *seufz*

          Das mit dem OTC in den Supermarkt macht alles billiger… Ich lach mich jedesmal schlapp, wenn ich an Israel denke. Nach Freigabe mehrerer apothekenpflichtiger Wirkstooffe (und Rausschmiss selbiger aus durch die Apotheken) sind die im Supermarkt zwischen 50 und 300%(!) teurer geworden. Jaja, die Ketten wollen immer nur unser Bestes… Und ich schlage die Bertelsmann-Gruppe für den Friedensnobelpreis vor…. ;-)

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  2. Wie heisst es so schön? „Undank ist der Welten Lohn“
    Wahrscheinlich kann man es der Kundin ohnehin nie recht machen. Solche Leute gehören zu dem Typ, der unbedingt leiden muss. Und wenn es nichts zum leiden gibt, dann findet man schon was, und sei es die Apotheke, die nicht hellsehen kann.

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  3. Sag mal, hattest Du diese „schwer enttäuschte Kundin“ nicht schon mal in einem früheren Beitrag erwähnt? Ging das da nicht um eine Patientin, die mittlerweile alle Ärzte und Apotheken vor Ort durch hat und von allen, aber auch sämtlich, schwer enttäuscht wurde?

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  4. Bei uns in Österreich verfahren wir folgendermaßen mit dem Vorbezug : der Patient bezahlt das Medikament, bekommt einen Einsatzschein mit, geht zum Arzt und besorgt sich ein Rezept, kommt mit der Verordnung und dem Einsatzschein in die Apotheke und wir verrechnen dann die Rezeptgebühr und zahlen die Differenz aus.
    Bei besonderen Medikamenten ( z.B. Psychopharmaka ) schneide ich den Bedarf von 1-2 Tagen vom Blister, verrechne den vollen Preis und gebe wieder den Einsatzschein mit. Bringt der Patient dann das Rezept dann gibt es die restlichen Tabletten und das Geld.
    Dieses System funktioniert in der Regel sehr gut.

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  5. schräg, dass sie sich über solche bürokratischen Abläufe auch noch Gedanken machen müssen…
    Aber das interessiert mich jetzt- die Frau hat echt gesagt, der Arzt hätte sie „enttäuscht“? o.O schräääääg haha

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  6. Eine Frage in diesem Zusammenhang: ich hatte kürzlich einen Vorbezug (hatte vergessen, dass ich für die Blutzucker-Messstäbchen noch gar kein Rezept hatte, da ich aber ein Metformin-Rezept habe war es kein Problem, die Sensoren „auf Kredit“ zu bekommen) und bin erst nach einer Woche dazugekommen, beim Arzt anzurufen und ums Rezept-faxen in die Apotheke zu bitten. Es war mir schon recht peinlich, dass ich das hatte schleifen lassen – wie lang wartet ihr denn, bis ihr selber aktiv werdet?

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    1. Bei Patienten, die ich kenne und denen ich vertraue, frage ich dann mal so nach 1-2 Wochen an, ob da nicht noch was gewesen ist. Regt sich nichts, „drohe“ ich mit Rechnung, und meist bewegt sich dann was.

      Bei Patienten, die ich nicht kenne / denen ich nicht (mehr) vertraue, mache ich ganz einfach Vorkasse: Packung selbst kaufen, Geld gibt es gegen Rezept zurück. Das funktioniert ganz gut, da stimmt dann auch die Motivation… ;-)

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  7. Trotzdem wünschte ich mir sowas ginge auch hier in D. Meine Tabletten werden wieder genau in den Weihnachtsferien ausgehen. Also darf ich entweder in der Vorweihnachtszeit auch noch zum Arzt tingeln oder muss hoffen, dass er zwischen den Jahren auf hat. So ein Dauerrezept oder eben die Möglichkeit, auch mal eine Woche später erst das Rezept nachzuholen wär manchmal schon praktisch.

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    1. Zwischen den Feiertagen hat so ziemlich kein niedergelassener Arzt offen, so er nicht gerade Notdienst schieben muss. Die Zeit nutzen die Ärzte gewöhnlich für Quartals- und Jahresabrechnungen und anderen Papierkram – oder um mal die Sache als Brückentage unterzubringen. (Ich kann es nachvollziehen.)

      Aber wenn es ein Folgerezept ist, und wenn man es nicht erst Mitte Dezember, sondern vielleicht schon Anfang Dezember angeht, sollte das doch ohne all zu lange Wartezeiten zu organisieren sein.

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