Das verdächtige Rezept

Zum Rezept von gestern. Nochmals die Situation:

Freitag abend, nach 17 Uhr.

2 junge Männer kommen mit obigem Rezept in die Apotheke. Der eine hält sich dezent im Hintergrund.

Das Rezept selber… Oben: alles okay … dass die Mengen nicht genau angegeben sind ist nicht sehr ungewöhnlich. Wenn nichts aufgeschrieben wird, gilt: die kleinste erhältliche Packungsgrösse, ausser die Behandlungsdauer suggeriert etwas anderes. Das ist hier nicht der Fall.

Es ist auch erlaubt auf ausgedruckte Rezepte noch etwas anzuhängen, wenn man es vergessen hat. Wie das hier mit passiert ist.

Nur finde ich das hier etwas verdächtig.

Nicht das Verbandsmaterial. (Jelonet, Mefix, Gazekompressen),

Aber das Schlafmittel zuunterst: Zolpidem.

Für einen 23 Jährigen. Für etwas, was wohl die Nachbehandlung eines kleineren Eingriffs war.

Dann: Die Schrift ist anders. Man hat sich zwar offensichtlich bemüht, das gleich zu machen, aber die „M“s sind zweimal anders geschrieben (am besten sichtbar beim mg) , und der Kugelschreiber .. eigentlich sind es beim Zolpidem gar 2 verschiedene, als hätte er erst angesetzt, gemerkt, dass die Farbe nicht stimmt und dann einen anderen genommen.

…. Hmmmmm …..

Also erkläre ich dem Patienten erst mal: „Ich muss da noch etwas abklären, haben sie noch etwas zu erledigen? Kommen Sie doch in einer Viertelstund noch einmal vorbei.“

Die beiden gehen. Ich frage derweil beim Spital nach. Schon blöd für die beiden … die haben durchgehend offen und sind für Fragen auch nach „Feierabend“ erreichbar.

Pharmama: „Ich habe da eine Frage wegen dem Rezept für Herrn …“

Krankenkschwester: „Ja, die Unterlagen habe ich hier.“

Pharmama: „Haben Sie auf dem Rezept noch etwas angefügt?“

KS: „Ja, Verbandsmaterial.“

Pharmama: „Okay … sonst noch etwas?“

KS: „Nein.“

Pharmama: „Also …Kein Schlafmittel?“

KS: „Nein.“

Pharmama: „Danke vielmals, das habe ich mir schon gedacht. Jetzt ist allerdings eines drauf.“

Ich mache den Rest vom Rezept parat.

Die beiden kommen wieder herein, wieder hält sich der „Kollege“ im Hintergrund.

Wie schon geschrieben – ich kenne den Kunden und darum erkläre ich ihm das:

„Ich habe im Spital angerufen wegen dem Schlafmittel. Das Spital bestätigt mir, dass nicht sie das aufgeschrieben haben. (Pause)

Das ist das erste Mal – darum schaue ich jetzt ausnahmsweise darüber weg, aber falls es ein nächstes Mal gibt, gibt es direkt eine Anzeige wegen Urkundenfälschung. Man darf nicht selber etwas auf ein Rezept draufschreiben!“

Kunde: „Das habe ich nicht!“

Pharmama: „Dann erklären sie mir, woher das Zolpidem auf dem Rezept kommt. Der Arzt bestätigt, dass er das nicht aufgeschrieben hat.“

Kunde: „Doch, er hat das noch angefügt im Spital.“

Pharmama: „Er hat das Verbandsmaterial angefügt. NICHT das Zolpidem.“

Kunde: „Aber ich brauche das auch.“

Pharmama: „In dem Fall besorgen Sie sich ein neues Rezept.“

Der „Kollege“, als er mitbekommt, dass sein Freund das Schlafmittel nicht bekommt, verschwindet noch bevor der die restlichen Medikamente bekommen hat.

Nett.

Bestätigt aber irgendwie meine Vermutung, dass das nicht mal der Patient selber gewesen ist, der das angefügt hat.

14 Antworten auf „Das verdächtige Rezept

  1. Beim ersten Mal hätte ich die Situation auch so behandelt.
    Auch wenn es genau genommen rechtlich nicht korrekt ist….das (deutsche) Gesetz fordert hier vom Apotheker bei eindeutiger Fälschung die sofortig Einschaltung der Polizei.
    Wie ist das in de Schweiz geregelt?

    Ausserdem: Denken die Kunden/Patienten denn eigentlich, dass wir mit dem Klammerbeutel gepudert sind? Bestimmte Arzneimittel lassen JEDEN Apo-Mitarbeiter mindestens zweimal hinschauen.
    Aber ich habe auch schon viel miserablere Fälschungen gesehen!
    Allerdings auch schon alles Mögliche direkt vom Arzt…

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    1. „Missbrauch ist entgegen zu treten“ …. aber dass gleich die Polizei eingeschaltet werden MUSS – habe ich hier noch nie gehört.

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  2. Mir erscheinen alle handschriftlichen Zusätze seltsam, so als habe ein des Schreibens ziemlich Ungeübter sich da versucht. Ärzte haben angeblich eine unleserliche Schrift, aber diese ist doch sehr ungewöhnlich. Nun, vielleicht hat er im Stehen ohne Unterlage noch etwas hinzugefügt. Aber stutzig hätte mich das Rezept auch auf jeden Fall gemacht.

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    1. Sehe ich ganz genauso. Fand das alles komisch. Da würde ich (als hypothetischer Arzt) lieber nochmal drucken und den Rest dazu schreiben als es handschriftlich zu ergänzen…

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      1. Wäre sicher besser. Aber … das kommt aus dem Spital. Man stelle sich die klassische Situation vor mit Zeitdruck etc. Dann hängt man halt von Hand etwas an. Das ganze noch einmal ausdrucken wäre wohl eher aufwändig.

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  3. Ein gutes Geschäftsmodell, das der „Kollege“ da hat… Jeder der ein Rezept hat, soll ihm ein Zolpidem besorgen, welches er selber darauf schreibt. Bei 25-35 Franken Verkaufspreis pro Tablette(!) loht sich das doch! (Information zu den „Gassenpreisen“ gemäss Kunden, die sich da auskennen…)

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    1. Ja – das lohnt sich sicher … wenn man nicht verhaftet wird deswegen.
      Ich hab‘ den Kollegen hier nicht mehr gesehen. Ich denke, das ist ihm jetzt zu gefährlich.

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  4. Ich finde es merkwürdig, dass der Sohn der Stammkundin noch begleitet wurde von diesem Kollegen. Vielleicht wurde er sogar gezwungen für ihn diese Zolpidem zu besorgen. Wonach sah denn das aus deiner Sicht aus? Passt diese Tat zum Kunden, oder ist der gerade in Begriff, in falsche Kreise zu kommen?
    Die Frage ist wirklich, wie schnell soll in gewissen Situationen die Polizei eingeschaltet werden? Es gibt auch Patienten die z.B drohen, wenn sie nicht das bekommen was sie wollen, soll man sich alles gefallen lassen?

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    1. Gezwungen … es hat für mich nicht danach ausgesehen, aber ich weiss natürlich auch nicht, was da dahinter steckt.
      „Passen“ tut die Tat nicht. Bisher war er nicht auffällig in diese Richtung.
      Aber „drohen“ mit der Polizei lasse ich mir nicht. Wenn er die will, Kann er sie haben. Ich befinde mich mit der „Nicht-Abgabe“ auf der rechtlichen Seite und innerhalb meiner Kompetenzen.

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  5. Ich würde bei einem Stammkunden vom Einschalten der Polizei beim ersten Mal Abstand nehmen. So Sachen können richtig, richtig übel ausgehen, das gibt böses Blut auf beiden Seiten und nur Ärger – vor allem für den jungen Mann.

    Bei vielen reicht es, wenn sie eine Warnung bekommen. Das sehen auch manche Jugendrichter so. Man muss nicht immer mit dem Holzhammer darauf schlagen, wenn ein ernstes „Das tut man nicht und kann böse enden!“ schon ausreicht.
    Und der junge Mann scheint mir einer diesen Types gewesen zu sein.
    Sein „Kumpel“ (mal sehen, ob der das bleibt), vielleicht nicht.

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  6. …der Freund war aber nicht zufällig der, der „alte Frauen gut und gerne….“ :-))

    (Running gag off!) ;-)

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    1. Oh, Nein. Viel zu jung und keine Erfahrung mit den Mittelchen bisher. Der andere wird ein paar Jährchen älter sein … und entsprechend verbraucht aussehen, auch wenn er selber anderes behauptet.

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