Reden Sie (nicht) mit mir?

Die Frau am Handy reicht meinem Lehrling wortlos ein Rezept – das sie natürlich sofort an mich weiter reicht.

Ich kenne die Frau – sie bringt etwa alle 3 Monate ein grösseres Rezept. Alle Medikamente darauf hat sie schon mehrfach gehabt. Ich suche die Sachen zusammen, schreibe sie an, gehe damit zurück zur Patientin, die immer noch am Telefon ist und sich durch mich nicht stören lässt.

Ich warte ein paar Sekunden, damit sie überhaupt realisiert, dass ich hier bin mit ihren Sachen, dann reiche ich ihr die Medikamente auf den HV Tisch und mache ein Zeichen für „Sack?“

Sie noch am Telefon nickt mir zu. Ich packe alles in den Sack und reiche ihn wortlos rüber.

Es ist nichts neues drin. Es ist alles angeschrieben. Und sie ist am Telefon.

Frau nimmt jett das Telefon kurz vom Ohr (ohne abzustellen) – „Reden Sie nicht mit mir?“

(Oh – hey, das hat sie sogar bemerkt!)

„Solange Sie am Telefon sind, nicht.“

Frau: „Oh, das ist nur meine Schwester, das macht nichts, wenn sie das mitbekommt.“

Jaaa – wenn sie das meinen, aber das kann ich nicht wissen. Je nachdem wäre das trotzdem ein Bruch des Patientengeheimnisses. Wenn ich mit ihnen reden soll oder Sie etwas wissen müssen – machen Sie das Telefon aus!

35 Antworten auf „Reden Sie (nicht) mit mir?

  1. Das Wort „Sack“ für Tüte/Tasche hat meine Jugendfreundin immer verwendet. Sie ist quasi in Frankreich aufgewachsen.

    Ich finde es auch sehr unhöflich, dass die Kundin das Telefonat nicht unterbrochen hat während sie bei euch war. Aber ich habe das im Supermarkt hier in D auch schon oft mitbekommen, dass die Leute an der Kasse telefonieren. Was ist so supermegawichtig, dass man nicht einfach zurück ruft? So ein Vorgang (Apotheke, Kasse im Supermarkt) dauert ja keine Stunden.

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  2. Was ist so supermegawichtig, dass man nicht einfach zurück ruft?

    Einfach alles was da so gequatscht wird, – offenbar. Ich erlebe das oft im Zug. Da sass kürzlich so eine fette Madres im Abteil, sie kam sich saumässig wichtig vor und brüllte beinah ins Handy mit irgendjemendem und störte die Rest-Leute im Abteil massiv. Und das ist nicht etwa ein seltener Einzelfall. Aaaargh

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  3. Ich hätte jetzt fast gesagt, Erziehung ist nicht jedermann gegeben. Aber dann wurde mir klar, dass es in der Kindheit dieser Leute eben noch gar keine Handys gab. Die meisten Leute schaffen es, sich in andere hineinzuversetzen und merken, dass es unhöflich ist zu telefonieren während man mit jemand anderem interagiert – aber manche Menschen nehmen das offenbar nicht wahr. Und da ihnen das auch nie jemand gesagt hat, ignorieren sie ihr Umfeld munter weiter. Daher: Drauf ansprechen. Wenn sie oft genug hören, dass es unhöflich ist, dann lassen sie es vielleicht irgendwann bleiben. Es braucht ein Dorf, um Kinder zu erziehen ;)

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    1. Du, Zeit vergeht – die D-Netze in Deutschland gingen 1991 ans Netz – man kann heute durchaus um die 30 sein und Handys schon als Kleinkind gekannt haben!

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  4. Unglaublich die Frau. solltest du in dem Fall Hellseherin sein? Um zu wissen mit wem die Dame konferiert?
    Gerade bei einem Gespräch mit der Schwester kann man doch beim Betreten der Apotheke das Gespräch unterbrechen und nachher zurückrufen!

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  5. Selbst wenn du wüsstest, dass es ihre Schwester ist und du reden kannst:
    Wie unhöflich ist das von ihr bitte? Sie redet ja nicht mit dir…

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  6. Genau heftig finde ich Kunden, die mit Kopfhörern vor mir stehen und nicht auf die Idee kommen, sie mal rauszunehmen, damit ich ihnen die Anwendung ihrer Medikamente erklären kann….

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  7. Beim Lesen dachte ich dass Du sie fragst, warum sie denn nicht mit dir redet. Das hätte ich nachvollziehen können. Aber so?!

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  8. Ich finde das auch sehr unhöflich. Ging mir an der Kasse schon mehrmals so. Und ich arbeite nur in einem Lebensmittelgeschäft. In der Apotheke mit sensiblen Informationen ist das ja nochmal einen Ticken schärfer.

    Schlimm finde ich aber auch die Leute, die nicht „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ sagen, das Geld wortlos hinknallen und mich nicht einmal anschauen. Kann ja jeder mal nen schlechten Tag haben, aber DAS ist ein wirklich ekelhaftes Verhalten.

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    1. Hast Du schon mal daran gedacht, das es Menschen gibt, für die Einkaufen und ähnliche Situationen hoch Stress belastet sind, nennt man für gewöhnlich Autisten und Sozialphobiker, ja gerade für viele Autisten ist Augenkontakt Folter.
      Nicht jede Einschränkung ist sichtbar aber du verurteilst das ja lieber als ekelhaft als dir für 5 min mal dem Kopf zu machen warum jemand so handelt.

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      1. Ich will das mal so sagen: die Frau hier ist keine Autistin. Und wenn so viele Autist wären, wie nicht Grüezi, Danke, Bitte, auf Wiedersehen sagen können … dann hat unsere Gesellschaft ein grosses (unerkanntes) Problem.
        Und Nickel vorzuwerfen, sie würde sich keinen Kopf machen, weshalb jemand so ist – das ist von Deiner Seite her unnötig und vielleicht sogar fälschlich verurteilend.

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        1. Ich glaube du wärst geschockt wie viele Menschen mit leichten Formen des Autismus oder Sozialphobien es gibt. Da sind wir durchaus im zweistelligen Prozent Bereich.

          Die Unterstellung gegenüber nickel ist außerdem nicht gerade unbegründet.

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          1. Also – einerseits finde ich das ja toll, dass ihr euch in die Probleme von Autisten einfühlen könnt … andererseits war das hier kein solcher Fall, Und auch wenn manche Leute tatsächlich Probleme im autistischen Formenreich haben (dann gilt das vielleicht mit dem zweistellig), sind die meisten davon durchaus in der Lage so einfache Umgangsformen wie „Danke“, „Bitte“ etc. einzuhalten. Ich erwarte ja nicht mal direkten Blickkontakt oder ausführliche Kommunikation. Nur ein bisschen Höflichkeit?

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      2. Ich bin Asperger-Autistin und finde es schrecklich mit Leuten zu reden, die ich nicht kenne. Ich behelfe mir mit einem Blick auf die Nasenwurzel und einem Lächeln und einem minimalen Nicken dabei.

        Seitdem reagieren die Kassierer viel freundlicher auf mich.

        Zum Verabschieden zwinker ich nicht kurz mit beiden Augen gleichzeitig dazu.

        Klappt hervorragend.

        Als selbst Kassierende hab ich übrigens kein Problem mit den ganzen Höflichkeitsfloskeln. Nur der Blick zur Nasenwurzel statt in die Augen bleibt.

        Bei stärkeren Autisten sehe sogar ich meist, dass sie irgendwie anders als die Muggel sind. Im ganzen Verhalten. Das hat aber nichts mit der grassierenden Unhöflichkeit zu tun

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  9. beim nächsten Mal: (nicht ganz ernst gemeint…) [laut] so Frau XY, mit diesen Antibiotika dürften Ihre Syphilis und Ihr Tripper endlich im Griff sein – dann steht auch der nächsten Prüfung beim Gesundheitsamt nichts mehr im Wege!

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    1. Ich schlage vor, beim Ausgang einen Roboter zu installieren, der darauf programmiert ist dem Kunden der rausgeht einen Tritt in den Arsch zu verpassen. Je nach Notwendigkeit und Bedarf der Apo-Angestellten genügt unter dem Tisch ein kleiner Druckknopf zu betätigen.

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  10. Ja, echt traurig, das die Leute so mundfaul sind! Habe das auch oft (auch Apo) das man wortlos das Rezept überreicht bekommt, kein Guten Tag, kein Bitte, Danke, Auf Wiedersehen, was auch immer. Manchmal fühle ich mich wie ein Automat, in den man das Rezept reinschiebt und wo dann unten die Medikamente rausfallen.

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    1. Es gibt Tage, an denen bin ich so angefüllt vor Spannung durch die dichte Anforderungen, die mein Job und meine Familie mit sich bringen, dass ich in so einer Situation einfach nichts mehr sagen kann – weil ich nach Stunden des pausenlosen Kommunizierens nur noch funktioniere. Ich versuche es dann mit Lächeln, das muss reichen…

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      1. Geht mir ähnlich. Viele Leute (Mengenmässig, meine ich) empfinde ich als abschreckend. Fremde um so mehr. Kommunikation ist für mich auch eher anstrengend. Smalltalk am meisten. Jetzt fragt man sich, weshalb man dann Apothekerin wird und den ganzen Tag Leute beraten muss. Nun – einzeln und nacheinander geht das. Ausserdem geht es da um ziemlich gezielte Kommunikation (lies: Problemlösung). Allerdings bin ich am Ende des Tages oft wirklich erschöpft davon. Da muss / kann ich auch nicht mehr viel reden. (Aber das Minimum geht meist noch).

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  11. Ich habe eine solche Situation mal am anderen Ende der Leitung erlebt. Soll heißen – ich habe aus dem Auto heraus einen guten Freund angerufen um kurzfristig leider meinen geplanten Besuch abzusagen.
    Der war aber gerade dabei für die geplante Feier das reservierte Buffet abzuholen und zu bezahlen. Wusste ich ja in dem Moment nicht.
    Er hielt es aber auch nicht für nötig mir mal mitzuteilen dass er mich in fünf Minuten zurück rufen würde (ich stand ja eh auf einem Parkplatz). Stattdessen merkte ich wie unaufmerksam er war und hörte ständig Stimmen, die ganz offensichtlich mit ihm sprachen.
    Unmöglich. Wäre er nicht eigentlich ein guter Freund, hätte ich einfach aufgelegt.
    Ich finde es nämlich nicht nur unhöflich als Apothekerin, Kassiererin etc. mit einem telefonierenden Kunden konfrontiert zu sein, sondern auch als Anrufer so ignoriert zu werden.
    Und die paar Worte: „Sorry, passt grad nicht. Ruf dich gleich zurück“ sind auch nicht zu viel verlangt.

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    1. Dass wir heute solche Miseren haben, hat sehr wahrscheinlich viel damit zu tun, dass sich die 1968er auswirken. Die die damals Eltern waren haben ihre Kinder nach dem antiautoritären Prinzip mis-erzogen, so dass sie gedeihen konnten, wie die Bäume im Wald. Diese Kinder (Gofen) sind die heutigen Erwachsenen…

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    2. Ups – auch wahr: mal die andere Seite der Telefonkommunikation sehen. :-) Die andere Seite will das ja auch nicht unbedingt mitbekommen…

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  12. Derbe unhöflich sowas! Viele Menschen haben auch an der Supermarktkasse das Handy am Ohr. Und würdigen die Verkäuferin keines Blickes, als ob sie nciht da wären, halten nur irgendwann blicklos das Geld hin. Finde ich wirklich extrem a*schig!

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  13. Der Datenschutz hätte mich hier nicht weiter interessiert!

    Ich finde es einfach unhöflich.

    Und ich weiß, daß die meisten Leute nicht multitaskingfähig sind.
    Daher stehe ich in so einem Fall immer ganz ruhig vor den Kunden hin mit den Arzneimitteln in der Hand und warte, bis ihnen von selber auffällt, daß ich ihnen nichts abgebe.
    Erst wenn sie dann aufhören zu telefonieren spreche ich mit ihnen.
    Je nach Situation auch mit entsprechendem Kommentar, z. B. „die Einnahme/Anwendung erkläre ich Ihnen, weil es wichtig ist, dass sie es richtig einnehmen/anwenden.“ (Ja, dann gerne auch mal bei Nasenspray oder Kopfschmerztabletten oder was die Leute sonst noch für harmlos halten…)
    Ich erdreiste mir also, Aufmerksamkeit zu bekommen. Meiner Meinung nach sind Arzneimittel beratungsnotwendig.
    Aber selbst in anderen Geschäften darf das Verkaufspersonal Aufmerksamkeit des Kunden erwarten!

    Ich gebe zu, manchmal bin ich auch etwas maulfaul, aber bitte danke und aufwiedersehen sind keine große Anstrengung.

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    1. Ja – auch eine gute Möglichkeit: Ich geb’s ihnen, sobald sie mir und den Produkten die nötige Aufmerksamkeit schenken.

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  14. Ich gehe normalerweise ans Telefon, wenn es grad klingelt, während ich an der Kasse stehe – so ein minutenlang läutendes Telefon finde ich nämlich auch nervig! Wenn das Gespräch aus mehr als zwei Sätzen besteht („Ja Mama, ich bin gleich da, stehe nur noch grad an der Kasse, bis gleich“ ;) ), sage ich aber dann, dass ich zurückrufe, und mache erst die Kassiererei zu Ende …

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    1. Wenns Handy an der Kasse klingelt drück ich den Anruf weg oder stell lautlos – dann nervt auch kein minutenlang klingelndes Telefon ;-)

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