Die bessere Alternative zum Referenzpreissystem

Wer die letzten beiden Artikel durchgearbeitet hat, weiss, dass die Apotheke in der Schweiz ein Problem hat. Mit dem aktuellen System laufen schon 20% der Apotheken an der Existenzgrenze. Und es soll weiter gespart werden an uns.

Bei sehr günstigen Medikamenten verdienen wir fast nichts, weil da der Vertriebsanteil (die Marge) von Personal-, Lager- und Logistikkosten gefressen wird. Ich erinnere an den Paracetamolsirup für nicht mal 3 Franken, der auch von der Grundversicherung übernommen wird. Auch rezeptpflichtiges fällt da – Preissenkungen sei Dank – immer mehr darunter. Bei denen bekommen wir immerhin die Pauschalen, aber die 7 Franken sind für die ganze Arbeit, die wir dafür machen nicht deckend.

Bei sehr teuren Medikamenten (so ab 2750.-) machen wir gar ein Verlustgeschäft, wegen den noch höheren Zuschlägen des Zwischenhandels und den Zinsen, die wir für das Vorausstrecken (bis die Kasse das nach Monaten zurückbezahlt) leisten müssen.

Bleiben nur noch die Medikamente im mittleren Preissegment. Bei der Abrechnung an die Krankenkasse sind wir eingeschränkt in der Menge / Grösse, die wir abgeben dürfen durch die Dosierung auf Rezept. Und da gibt es doch einige Generika (günstige Nachfolgeprodukte) die wir aktiv empfehlen / wechseln sollen … auch wenn wir immer noch einen Anreiz haben, die teureren zu nehmen. Ich mache das trotzdem, da ich den Einsatz von Generika sehr sinnvoll finde. Es gibt aber einige (medizinische) Gründe, das nicht immer zu machen: Generika, eine Betrachtung 4.

Also, was tun, damit A) die Kosten im Gesundheitssystem nicht weiter steigen und B) die Apotheken und damit einer der wichtigsten Grundversorger erhalten bleiben?

Den Vorschlag des Gesundheitsdepartements mit dem Referenzpreissystem und der Senkung des Vertriebsanteils auf 9% (siehe voriger Post) lehnen die Apotheker klar ab. Und mit ihnen die Parteien BDP, CVP, FDP, GLP, SP, SVP, die Verbände Economiesuisse, Gewerbeverband, Gemeindeverband, Vips, Intergenerika, SVKH, ASSGP, Sciencesindustries, Pharmalog, IG e-Health, die Versicherer curafutura und Santésuisse sowie das Konsumentenforum.

Damit werden nämlich die negativen Anreize bei Abgabe und Verkauf von Arzneimitteln eher erhöht: Generika / günstigere Medikamente allgemein / mehr Medikamente / Mengen.

Statt dessen schlägt der Apothekerverein pharmasuisse zusammen mit curafutura (Krankenkversicherer) folgende nachhaltige Lösung vor:

Statt 6 Preisklassen nur noch 1.

Ein Fixzuschlag je Packung für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Höhe von CHF 14.85. Der beeinhaltet dann alle Leistungen der Apotheke und ist inklusive Personalkosten und und Grossistenkosten und kann noch sinken, wenn die Personalkosten mit der LOA Pauschale entschädigt werden.

Der Vertriebsanteil wird auf 3% festgelegt (für verschreibungspflichtige Arzneimittel). – das ist ein grösserer Abschlag als das von Herrn Berset geforderte.

Maximal darf der Zuschlag je Packung CHF 300 betragen – egal, wie teuer das Medikament ist. Diese Plafonierung ist eigentlich betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigen, erlaubt es aber Kosten zu senken – die entstehen ja mit den 2% Hochpreisern die 60% der Kosten ausmachen (!)

Das Ziel ist es, die Leistungen der Apothekenteams unabhängig vom Fabrikabgabepreis und Preisklasse fair zu entgelten. Zudem unterstützt dieser Vorschlag die Förderung von Generika, weil für Originalprodukte und Generika gleiche Voraussetzungen geschaffen und falsche Anreize abgeschafft werden.

Es ist klar und gewollt, dass mit dem neuen Modell tiefpreisige rezeptpflichtige Medikamente teurer werden. Denn die Kosten bei den tiefpreisigen Medikamenten müssen jetzt unbedingt und rasch den realen Kosten angepasst werden: Ob ein Medikament CHF 10 Millionen oder CHF 2 kostet – das Wissen und die Logistikkosten unterscheiden sich nicht, einzig das Risiko. Es ist zudem nachvollziehbar, dass ein Arzneimittel nicht so billig wie ein Kaugummi am Kiosk sein kann. Die wahren Kosten entstehen dem Gesundheitssystem bei den Medikamenten momentan mit den Hochpreisern.

Für die Apotheker stehen die medizinische Grundversorgung und die Patientensicherheit im Vordergrund. Bereits jetzt führt der Preisdruck zu Lieferengpässen und gefährdet die medizinische Grundversorgung und auch die rentable Herstellung von einzelnen Spezialitäten. Aktuell gibt es bei mehr als 500 Medikamenten Lieferengpässe – mitunter eine Folge, da für gewisse Spezialprodukte zu wenige Anreize einer Lagerhaltung bestehen. Es ist Aufgabe des Bundesrats, jetzt eine Lösung zu finden, die die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung und die Patientensicherheit auch weiterhin gewährleisten. Es gilt, die Hausärzte und Apotheker aus dem Schussfeld zu nehmen.

Quelle:

6 Antworten auf „Die bessere Alternative zum Referenzpreissystem

  1. Bei den Apotheken lässt es sich auch wunderbar sparen. :(

    In anderen Bereichen, wie bei den Spitalstandorten, würde ein Politiker sozusagen Selbstmord begehen, wenn er Rationalisierungen (und Rationierungen) vorschlüge.
    

    Liken

  2. Lasst Euch nur UNBEDINGT ins Gesetz Schreiben, dass der Fixaufschlag jährlich mindestens um die Inflation ausgeglichen wird. Das haben wir in Deutschland nicht und zahlen seit Jahren dafür.

    Liken

    1. Wir haben das schon im Gesetz stehen, dass die Höhe des Fix-Zuschlags regelmäßig überprüft werden muss.

      Es ergeben sich daraus mehrere Probleme:
      1) WER überprüft? Die Politik deligert das an die Krankenkassen, und die sagen: „Überprüft. Passt schon!“
      2) WIE OFT wird überprüft? Das ist nicht definiert. Alle 100 Jahre scheint zu langen.
      3) WAS PASSIERT BEI AUSSETZEN der Überprüfung? Nix, außer dass ein paar Apotheken zumachen, halt.
      4) WIE geht die BEVÖLKERUNG damit um? Interessiert nicht.
      5) WIE geht die PRESSE damit um? Ganz einfach – ein gesetzlich vorgeseheren Ausgleich eines effektiven Verlusts wird als „GESCHENK AN DIE APOTHEKER“ beschriehen. So geschehen 2006, als die erste anstehende Anpassung (Packungszahlen, Inflationsausgleich) von 300 Mill. €uro anstand. Die ABDA verkaufte diese 300M€ Mitte 2006 gegen „10 Jahre Planungssicherheit“. Die 10 Jahre waren dann im April 2007 – also so ziemlich exakt 10 Monate später – vorbei, als die Rabattverträge eingeführt wurden. Dramatische Mehrarbeit für die Apotheken an allen Fronten (Lagerhaltung, Logistik, Erklärungen bei Arzt und Patient, Retaxationswahnsinn) für „0 Euro extra“, da mit der „Beratungspauschale bereits alle Leistungen mitbezahlt sind“. So halten es die Krankenkassen (und damit die Politik) seither, da deutsche Apotheker eh jeden Schwachsinn akzeptieren. Hätte ja schlimmer kommen können…

      Liken

    1. Was meinst Du, was ich an einem „Hochpreiser“ verdiene? Weniger, als die Bank Dispozinsen für den Kredit zum Einkauf des Hochpreisers haben will. (Übrigends ist die Berechnungsgrundlage nicht angepasst seit 2004.)

      „Roactimera 162mg FS 4St.“ – 1.813,05€ – 5,7% Spanne.
      „Humira 40mg FS 6St.“ – 5.324,49€ – 3,1% Spanne.
      „Revlimid 25mg Kaps. 21St.“ – 8.054,46€ – 4,7% Spanne.
      „Tegsedi 248mg FS 4St.“ – 39.727,58€ – 2,9% Spanne.

      Alles hoch retax-gefährdete Produkte (bei Formfehlern der Verordnung). Alles Kühlware / beratungsintensive Produkte. Alles Rezepte, wo man sich wirklich freut, wenn man sie in die Hand bekommt, und die man 3x umdreht, bevor man sie zur Abrechnung einreicht.

      Gerade Revlimid… Ich habe noch KEIN Rezept gesehen, was 100% korrekt ausgestellt war. Aber ich weiß von Fällen, wo es die MFA / Sprechstundenhilfe auf einem vorunterschriebenen Rezeptformular für den Patienten mal schnell ausgedruckt hat. Ein paar solcher Rezepte am Stück im Nullretax wegen Formfehler, und man kann seine Apothekenbude zumachen wegen Insolvenz. Bloß gut, dass die Hollandversender dann sagen können Nein, die Belieferung DIESES Wirkstoffes ist und LEIDER LEIDER verboten. So ein Pech!

      Liken

This site uses Akismet to reduce spam. .