Wachbleiben (1)

Ein Erlebnis, dass Kollegin Monika mir geschickt hat:

Kunde eben bei uns in der Apotheke …

Kunde: „Ich habe eine Frage.
Apothekerin: „Gerne, um was geht’s?“
Kunde: „Ich muss fahren 2000 km für Urlaub, es gibt Koffein.“
Apothekerin: „Ja, es gibt Coffein, aber wenn Sie 2000km fahren müssen, dann sollen Sie PAUSEN machen, Coffein hilft zwar kurzfristig, das Konzentrationsloch in das Sie fallen, wenn die Wirkung des Koffeins nachlässt ist sehr gross und die Gefahr, dass Sie einen Unfall machen wird grösser!“
Kunde: „Ich fahre mit meiner Familie und muss eben so weit fahren, meine Frau fährt nicht Auto.“
Apothekerin: „Wenn Sie sich verantwortungsvoll gegenüber Ihrer Familie verhalten und heil ankommen wollen: machen Sie ausreichend Pausen, alles andere ist gefährlich!“

Die Diskussion ging dann noch eine Weile. Ich denke, er hat es einfach nicht verstanden! Schlafentzug kann schlimmer sein als Alkohol … uns, die wir in der Apotheke arbeiten, ist das klar, dem Kunden mit Migrationshintergrund schien das ziemlich egal zu sein. 2000 km sind 20 Stunden, wenn die Verkehrswege so ausgebaut sind, wie in der Schweiz …

(was sie ja häufig nicht sind).

Das ist so: Koffein macht zwar kurzfristig wacher, aber das funktioniert wirklich nur kurze Zeit. Zur Übermüdung kommt dann nach Wirkungsverlust noch dazu: Überschätzung, Gereiztheit und die Leistung fällt auf ein noch niedrigeres Niveau als vorher. Das heisst: Koffein kann die Fahrtüchtigkeit tatsächlich auch einschränken!

Das heisst …!

Nach langer Zeit wieder mal ein … eher unangenehmes Telefon mit dem Arzt. Der Arzt hat auf dem Rezept für den Patienten aufgeschrieben

Venlafaxin 75mg

Bisher hatte der Patient Venlafaxin ER in der Dosierung 150mg

Der Patient selber ist auch sehr unsicher, wie er das weiter nehmen muss. Dosierungsänderung war ihm bekannt, aber ob das weiterhin ER (die retardierte Form) sein soll oder neu die normalen wusste er nicht.

Also muss ich den Arzt anrufen.

Der Arzt hat einen ungewöhnlichen ausländischen Namen. Ich sage jetzt mal Nguyen – obwohl es das nicht war (tatsächlich eine ganz andere Sprachfamilie)   … und bei Nguyen weiss ich sogar, wie man das richtig ausspricht. Dieser vietnamesische Name ist so häufig wie Meyer in Deutschland und man spricht es aus wie das englisch „wing“ … jedenfalls, wie man den Namen des Arztes richtig ausspricht weiss ich nicht.

Am Telefon meldet sich jemand sehr kurz … und für mich unverständlich. Ich weiss nicht, ob ich jetzt am richtigen Ort gelandet bin, da da weder ein „Praxis Dr.“ noch ein „Dr.“ vornedran kam. Also muss ich fragen:

„Hier ist Pharmama’s Apotheke, Pharmama am Apparat – bin ich hier richtig bei Doktor Nguyen?“ (so ausgesprochen, wie ich es lese)

Der Mensch am anderen Ende des Telefons meint nur säuerlich … „Das heisst …. (nochmals dasselbe unaussprechlich-unverständliche) !!!“

Hoppla – da hat tatsächlich für einmal der Arzt direkt das Telefon abgenommen. Ist er vielleicht so säuerlich, weil er momentan keine Praxisassistentin hat, die das erledigt?

„Oh, entschuldigen Sie bitte meine falsche Aussprache, ich habe da eine Frage wegen einem Rezept von Ihnen …“

ich mache einen Moment Pause – um ihm einerseits die Möglichkeit zu geben zu seinen Unterlagen oder seinem Computer zu gehen dafür, andererseits mich zu unterbrechen, falls er doch nicht der Arzt ist.

Und ernte dafür ein sehr ungeduldiges: „Wie ist die Frage?!“

„Es geht um ihren Patienten Herrn Meyer und das Rezept, das sie für ihn ausgestellt haben für Venlafaxin 75. Auf dem Rezept ist nicht geschrieben, ob das ER – die retardierte Form sein soll oder nicht. Die hatte er bisher noch nicht.“

„Er kann nehmen, was er will.“

Kein Nachschauen im Computer, nichts. Entweder ist der Herr Doktor so gut, dass er alles im Kopf hat … oder es ist ihm schlicht egal.

Das kann ich nur leider nicht ganz so stehen lassen.

„Herr Meyer hatte bisher die Venlafaxin 150mg ER … von daher würde ich vorschlagen, dass er auch weiterhin die ER nimmt.“

„Jajaja, ist schon gut. Sonst noch etwas?“

Yup, dem Arzt ist es egal.

„Nein, ich wollte nur die Bestätigung. Danke.“

Ich verabschiede mich und halte das im Computer fest.

Nachtrag – der Patient kommt mit der niedrigeren Dosierung nicht zurecht … und kommt ein paar Tage später mit einem neuen Rezept vom gleichen Arzt für Venlafaxin 150mg.

Er hat wieder nicht aufgeschrieben ER – aber bei den 150 mg gibt es zumindest keine anderen. Also ändere ich das von mir aus und ohne Rückmeldung. Dem Arzt rufe ich nur noch im Notfall an.

Reiseapotheke fix und fertig

Kunde in der Apotheke: „Habt ihr auch fertige Reiseapotheken?“

Pharmama: „Nein, ich habe nur Autoapotheken. Und da sind keine Medikamente drin.“

Mann: „Gibt es das denn nicht?“

Pharmama: „Jedenfalls habe ich schon länger keine mehr gesehen.“

Mann: „Weshalb denn? Das wäre doch noch praktisch!“

Pharmama: „Na – ich könnte mir vorstellen, dass das daran liegt, dass man die individuell sowieso anpassen muss – manches hat man schon zu Hause und braucht es nicht noch einmal, anderes braucht nicht jeder. Für in die Arktis brauchen sie keinen Mückenschutz und für die Schweiz nicht zwingend ein Durchfallmittel.“

Mann: „Ah – das macht Sinn.“

Das war vor ein paar Wochen, offenbar hat aber jemand gefunden, das ist eine Marktlücke, die man füllen muss.

Jedenfalls hat man in der Drogerie einer Kaufhauskette, die hier ungenannt bleiben soll, tatsächlich so Reiseapotheken als Aktion verkauft.

Eine Reiseapotheke mit Medikamenten drin (Liste D zwar, aber … Medikamente: Dafalgan, Imodium, Fenistil etc.) im Griffverkauf (lies: Schütte) nahe beim Eingang – Halt da wo es am meisten auffällt und läuft.

Nun … offenbar ist das auch dem Kantonsapotheker aufgefallen :-)  Jetzt darf das Kaufhaus alle diese fertigen Apotheken zurückziehen und muss eine Strafe zahlen, zusätzlich zu den Kosten für den Besuch des Kantonsapothekers.

Medikamente gehören halt nicht in die Selbstbedienung. Schön, dass dem nachgegangen wurde.

Ich hoffe auch das Kaufhaus hat etwas dadurch gelernt.

Schon was vor am …?

Ist noch etwas hin bis dann, aber … wer am Samstag 5. September etwas mit den Kindern unternehmen will (und in der Nordschweiz oder Süddeutschland wohnt), den darf ich hier auf die Jubiläumsgala von Clown Billy hinweisen. Er feiert sein 20jähriges Jubiläum als Clown, Jongleur und Zauberer mit einer Gala am Abend und einer Nachmittagsvorstellung, die er allen Kindern schenkt!

Ich habe ihn auf einer Veranstaltung gesehen … zu einer Zeit, als Junior von der Schule aus viel mit Zaubern und Zirkus zu tun hatte und wir diverse Vergleichsmöglichkeiten hatten – und ich muss sagen: keiner kann es so gut mit den Kindern, wie Clown Billy. Grosses Kompliment von mir und darum hier auch meine Empfehlung (ungesponsert) – wenn ihr könnt, geht! Ich habe auch vor dort zu sein – zumindest am Mittag, auch wenn mich die Abendgala sehr reizen würde.

Daten: Samstag 5. September, Mehrzweckhalle Untersiggental, Kinderfest (gratis für alle) von 13 bis 16 Uhr – am Abend Galashow mit Apéro riche ab 18 Uhr. Mehr Infos auf der Website:  und auf .

P.S. der Gewinn aus der Festwirtschaft und den Eintritten geht an ein Kinderhilfswerk.

Clown Billy: ich wünsche Dir ganz viel Erfolg!