Apotheken aus aller Welt 329: Auxerre, Frankreich

Zur Abwechslung mal ein eigenes Fundstück (oder zwei): aus den Herbstferien in Frankreich. Gefunden in Auxerre.

Am besten Platz – zumindest touristisch gesehen – ist diese Apotheke gleich beim Uhrenturm:

 

Einmal umgedreht und über die Strasse findet sich aber auch diese hier: mit schönem Fachwerk und hübschem Schild

 

 

etwas weiter – und nicht ganz so spektakulär: am Place Charles Surugue:

In begründeten Ausnahmefällen

Der Mann kommt mit einer leeren Packung Crestor und dem Wunsch „Davon hätte ich gerne wieder ein Pack.“ in die Apotheke.

Pharmama: „Sie haben sicher ein Rezept hier? Wie ist der Name?“

Mann: „Obermaier– Ich habe kein Rezept, aber ich habe von ihnen schon einmal eine Packung bekommen ohne.“

Das stimmt auch tatsächlich, wie ich dem Computerdossier entnehmen kann.

Pharmama: „Dann hat man sie sicher darauf hingewiesen, dass das eine Ausnahme war. Jetzt … wäre das keine mehr. Ich kann ihnen ohne Rezept nicht noch eine Packung geben.“

Mann: „Dann bekomme ich das hier nicht?“ (fuchtelt mit der leeren Packung)

Pharmama: „Mit Bestätigung vom Arzt schon.“

Mann: „Ich war beim Arzt. Im Juli.“

Pharmama: „Dann lassen sie ihn doch ein Dauer-Rezept faxen.“

Ich darf hier teilweise auch rezeptpflichtiges ohne Rezept abgeben. Die Zauberformel dafür heisst aber „in begründeten Ausnahmefällen“ – und wie immer gibt es dann Leute, die das ausnützen müssen, bis zum geht-nicht-mehr. Auch wenn das hier ein Cholesterin-Mittel ist und nichts was missbraucht wird: Ich finde das frustrierend. Ich hoffe, er besorgt sich jetzt auch wirklich ein Rezept … ich meine, immerhin gibt es hier auch die Option von Dauer-Rezepten, dann kann er 6 bis 12 Monate lang sein Medikament beziehen. Und hat die Sicherheit, dass alles in Ordnung ist, statt einfach selber weiterzubasteln.

Ah Bäh.

Der Kunde hält meiner Kollegin die Hand hin zur Begrüssung.

Die Drogistin nimmt die Hand (etwas erstaunt) und schüttelt sie – es ist bei uns nicht üblich, sich in der Apotheke zur Begrüssung die Hand zu geben – höchstens noch macht man das bei gut bekannten Kunden.

Der Kunde sagt dann: „Und, haben Sie mir etwas dagegen?“

Drogistin: „Gegen?“

Kunde: „Das …! „ und zeigt ihr noch einmal die Hand, die ein ziemlich übles Ekzem drauf hat.

Drogistin (leicht angeekelt): „Das schaut sich lieber die Apothekerin an.“

… ich bediene ihn dann weiter, während meine Kollegin sich nicht allzu diskret die Hände desinfizieren geht. Und ich verstehe sie gut – der Mann hat ihr die Hand nicht hingehalten wie ‚schauen Sie das mal an’ – sondern wirklich so, wie man jemandem die Hand hinhält. Ich würde sagen er hat sie reinlaufen lassen – und das war … sehr unfein.

Viel besser ging es auch bei mir nicht weiter. Wie es aussieht, war er damit schon bei verschiedenen Ärzten, keiner weiss genau, was es ist (zum Glück aber wohl nichts ansteckendes), ausprobiert hat er schon „Alles“ (Eigenaussage) – und wahrscheinlich läuft er nur darum damit von Apotheke zu Apotheke um zu schauen, was ihm empfohlen wird.

Schwarzteewickel in meinem Fall – wenn er sonst schon alles ausprobiert hat.

(Wie das geht poste ich heute mittag- für die Interessierten).

Lassen Sie mich durch, ich muss zum Gemüse!

Vom Einkaufszentrum nebenan kommt eine Mitarbeiterin in die Apotheke gerannt:

„Kommen sie schnell, da ist eine Frau vor der Gemüseabteilung umgefallen!“ 

Ich packe Handschuhe und Traubenzucker (die zwei Sachen brauche ich meistens) und spurte los. Als ich ankomme, ist schon eine Ärztin vor Ort, die wohl auch einkaufen war und bereits dabei ist, die bewusstlos am Boden liegende ältere Frau zu untersuchen. Aufgrund deren Leibesfülle hat sie ziemlich Mühe damit:

„Ich kann keinen Puls finden!“ sagt sie zu mir.

Zuerst ist unklar ob wegen der Fettschichten oder ob keiner vorhanden ist, aber als die Frau aufhört zu atmen wird die Frage überflüssig. Wir drehen sie auf den Rücken. Sie beginnt mit der Herzmassage und fragt nach Unterstützung:

„Haben Sie keine Beatmungsmasken oder einen Defibrillator?“

Doch! Rennen und holen.

Wir schliessen den Defibrillator an die Frau an. Das Ding ist wirklich super, auch wenn ich es noch nicht brauchen musste bisher. Es redet einen durch den Prozess: „Kleben Sie die Elektroden an die bezeichneten Stellen“„Kein Herzschlag vorhanden“. „Bitte zurücktreten, Schock wird ausgelöst“. „Jetzt Schockknopf drücken“ Bzzzzt! Und nochmal „Bzzzt!“

Während wir uns abmühen und die Mitarbeiter vom Kaufhaus mit Tüchern einen Sichtschutz um uns erstellen, bekomme ich nur im Hintergrund mit, wie die Kunden reagieren. Da wird natürlich versucht etwas zu sehen und herumgestanden – es passiert ja so selten etwas aufregendes. Noch mehr, als die Sanität eintrifft und einen grösseren Defibrillator mitbringt.

Und dann gibt es diesen einen Mann im Anzug, den nur eines interessiert (und das bekommen auch wir hinter dem Tuch mit): „Lassen Sie mich durch! Ich muss zu meinem Gemüse da hinten!“

Leider hat es die Frau trotz aller Bemühungen nicht geschafft. Und der Mann auch nicht – jedenfalls nicht an dem Tag zum Gemüse.

Wheee -haaa … Wheee -haaaa

„Hört sich an wie Darth Vader“ – meint mein Kuschelbär zu mir, als ich neben ihm den Inhalator auspacke (eines dieser Heisswasserdinger) und anfange.

Hat was.

Ich bin immer noch erkältet – tollerweise hat sich das offenbar von normaler Virus-Infektion zu bakterieller Nasenenebenhöhlenentzündung verschoben. Aber ich mache alle, das jetzt weg zu bekommen. Alles.

Auch wenn ich mich dann zeitenweise anhöre, wie Darth Vader.