Schnupperlehre machen

Vor ein paar Tagen (es könnte auch länger her gewesen sein), standen vor unserem Geschäft 3 Jugendliche. Nichts ungewöhnliches, aber ihr Verhalten fiel mir auf. Immer wieder Blicke werfend hiengen sie vor dem Laden herum und redeten miteinander. Nachdem sie kurz die Kindereisenbahn benutzt und für nicht tauglich befunden haben, kamen sie dann herein, auf dem direkten Weg zur jüngsten Angestellten. „Kann man bei Ihnen eine Schnupperlehre machen?“ fragte einer der drei, während die anderen nur grinsend daneben standen.

„Moment bitte, ich hole rasch die Chefin der Drogerie“.

Die kam dann auch und fragte: „Was genau möchten Sie denn?“

Schüler: „Na, eine Schnupperlehre machen.“

Drogistin: „In was?“

Schüler: „Naja, ist egal. Kann man das bei ihnen hier machen?“

Drogistin: „Nein.“

Abgang der drei.

Dazu muss ich ein paar Dinge erklären. Wir nehmen Lehrlinge an. Wir haben praktisch jedem Lehr-Jahr eine/n und bilden so in jedem Jahr 2-4 gleichzeitig aus. Wir machen dementsprechend auch Schnupperlehren.

Jetzt werden manche schreien: „Warum hat sie denn ‚Nein’ gesagt? Gerade in der heutigen Zeit, wo so wenig Lehrplätze vorhanden sind?“

Ja, genau. Und sollten diese Lehrplätze nicht an die Leute vergeben werden, die den Beruf dann auch wirklich machen möchten? Die ernsthaft Interesse daran haben?

Schnupperlehren sind gut zum schauen, ob so ein Beruf auch wirklich etwas für einen ist. Aber Ahnung, was der Beruf so in etwa beinhaltet, sollte man schon vorher haben. Ansonsten ist das reine Zeitverschwendung – auch für das Lehrgeschäft.

Darum die Ablehnung.

Ich kann den Schülern da draussen nur raten: wenn ihr eine Lehrstelle sucht oder eine Schnupperlehre:

  • Zeigt richtiges Interesse.
  • Informiert euch über den Beruf und was damit verbunden ist. Eine Drogistin ist z.B. nicht nur eine Verkäuferin. Es gibt auch Unterschiede zwischen Drogistin und Pharmaassistentin. Neben der Arbeit im Geschäft gehört auch die Schule dazu. (Wer alles in einer Apotheke/Drogerie arbeitet: siehe hier)
  • und wenn ihr einen Vorstellungstermin bekommen habt oder eine Schnupperlehre oder eine Lehre: Zeigt Einsatz, strengt Euch an. Es liegt in Eurem eigenen Interesse.

Bewerbung für eine Schnupperlehre

Wie jedes Jahr, bekommen wir auch dieses Jahr eine Menge Bewerbungen für die Lehre als Drogistin, respektive für eine Schnupperlehre. Das folgende stammt aus einer solchen Bewerbung, die ein paar Zeugnisse mit enorm viele Absenzen enthielt:

„ …Wie sie sicher bemerkt haben, habe ich in den Zeugnissen der X. Klasse viele Absenzen eingetragen.

Ich hatte keine Motivation mehr in die Schule zu gehen, da ich mich in der Schule nicht wohl fühlte. Leider habe ich nicht bedacht, dass das Auswirkungen auf meine Zeugnisse haben könnte und ich mich mit den Zeugnissen auf eine Lehrstelle bewerben muss.

Erst später ist mir klargeworden, dass ich sehr auf Absenzen und Verspätungen achten muss, wenn ich mich für eine Berufslehre entscheide.

In der Schule in der ich jetzt bin (ein Brückenangebot) gefällt es mir sehr und ich fühle mich wohl in der Klasse. Ich besuche die Schule regelmässig und habe keine Absenzen. Mein Lehrer …. kann Ihnen das bestätigen.

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie mir trotz meiner Absenzen die Chance geben würden, mich vorzustellen und bei ihnen zu schnuppern. …“

Wenn ich das lese, habe ich etwas gemischte Gefühle.

Einerseits macht die Bewerbung der Absenzen wegen wirklich keinen guten Eindruck. Andererseits: es sieht so aus, als ob sie jetzt Einsicht zeigt und wenn sie es wirklich ernst meint, hat sie noch eine Chance verdient. Aber (ja. ABER) , ich denke auch, dass die Chancen, dass sie bei auftretenden Schwierigkeiten in der Lehre ähnlich reagiert (sprich: unmotiviert fernbleibt) doch recht hoch ist.

Wenn Ihr Eltern seid: sagt es Euren Kindern deutlich, dass das was sie tun Auswirkungen hat auf später. Die Schule ist wichtig für später, auch wenn einem nicht alle Fächer passen. Man muss nicht super Noten haben, aber man sollte sehen, dass man sich bemüht und dass es einem wichtig ist. Viele und vor allem unentschuldigte Absenzen sagen: „Es ist mir nicht wichtig“.

Bewerbungen: wie und wie nicht

Mit etwas Glück haben wir unsere neue Mitarbeiterin gefunden. Es war wieder ziemlich ein Weg dorthin, v.a. sich durch die Bewerbungen zu lesen.

Dabei sind mir ein paar Sachen aufgefallen:

Wenn Du eine Bewerbung schreibst, wäre es von Vorteil, das Schreiben an die Person zu richten, die für die Bewerbung zuständig ist. Den Namen des Chefs oder des Geschäftes falsch zu schreiben (hatten wir 3x) ist nicht optimal. Ganz schlecht ist es, einen vollkommen anderen Namen dort bei der Anrede stehen zu haben (z.B. weil das von der letzten Bewerbung mit Copy/Paste übernommen wurde).

Arbeitszeugnisse sind wichtig. Wenn ein Arbeitszeugnis fehlt, kann das auch schon etwas aussagen (meistens nichts gutes). Übrigens kann man Arbeits- und Zwischenzeugnisse auch noch Jahre später vom (Ex-) Arbeitsgeber verlangen.

Zeugnisnoten sind relativ. Es muss nicht immer überall eine 5 oder eine 6 sein. Genügend ist ok, ungenügend nicht. Es ist oft auch so, dass Schulnoten und die Anwendung in der Praxis recht auseinanderklaffen. Das wissen wir. Das ist einer der Gründe weshalb wir Probetage machen, wo wir den Bewerber bei der Interaktion mit Kunden und Team anschauen.

Schulzeugnisse sind auch noch interessant wegen dem Punkt „Absenzen“.  Gibt es welche? Viele? Wieso? Schlecht sind viele unentschuldigte Absenzen. Da fragen wir zumindest nach, was sie bedeuten. Krank? Unlust? Böser Lehrer?

Referenzen: Wenn man eine Referenz angibt, sollte man sich sicher sein, dass diese Leute auch zufrieden mit einem waren. Ernsthaft, wenn einem gekündigt wurde, ist es eventuell keine gute Idee den ehemaligen Chef als Referenz anzugeben (selbst wenn er nicht sagen darf, warum einem gekündet wurde).

Ausländische Bewerber: Ich bin gerne bereit, auch jemanden aus Deutschland oder Frankreich oder einem anderen Land einzustellen, solange er eine anerkannte Ausbildung, Zulassung und Arbeitserlaubnis hat – und am Besten schon Erfahrung in einer schweizerischen Apotheke. In meiner kleinen Apotheke habe ich einfach nicht die Zeit jemanden von der Pike auf anzulernen. Ich brauche jetzt vollwertigen Ersatz für meine Mitarbeiterin. Das ist auch der Grund, warum ich bei Bewerbungen Leute mit Erfahrung in der Schweiz bevorzuge. Sorry.

Aktuelles Foto: Ich finde das gehört einfach bei einer Bewerbung dazu, damit man sich ein bisschen ein besseres Bild von der Bewerberin/dem Bewerber machen kann. Nur aufgrund eines Bildes habe ich noch niemanden abgelehnt. Ehrlich

Wie man sich *nicht* bewirbt

Bei uns ist es wieder soweit, dass wir uns eine neue Mitarbeiterin suchen müssen. Ich bin ja gespannt, was da für Bewerbungen kommen werden.

Vor ein paar Jahren musste ich relativ kurzfristig eine Apothekerin haben, weshalb ich nicht nur die klassischen Wege für eine Stellenanzeige (nämlich in den Fachblättern), sondern auch Anzeigen in normalen Zeitungen zu Hilfe nahm. Das brachte es gar nicht, das heisst, es hat mir schon ein paar Bewerbungen eingebracht, nur kamen die von echt unqualifizierten Personen. Bei manchen hatte ich den Eindruck, die Bewerbung wurde nur geschrieben um das Arbeitsamt zufriedenzustellen.

Ich meine, wenn ich schreibe, ich suche eine/n Apotheker/in dann sollte man sich nicht melden, wenn man die Ausbildung respektive das Diplom nicht hat. Das Beste (Übelste?) war ein A6 Briefchen* mit einem (handgeschriebenen) Zettel darin, dass die Frau sich für die Stelle interessiere. Anbei ein einseitiger kopierter Lebenslauf. Die Frau hatte nicht einmal einen richtigen Schulabschluss. Das näheste (nächste?) was sie dem Gesundheitssystem im Allgemeinen gekommen ist, waren ein paar Monate Anstellung in einem Spital – als Putzhilfe. Ich hab mir das angeschaut und mich gefragt, was das soll? Denkt diese Frau ernsthaft, man kann einfach so in die Apotheke stehen, wie wenn es ein Gemischtwarenladen wäre??

Es ist mir schon klar, dass es einer Menge Leute nicht bewusst ist, was es dazu braucht, Apothekerin zu werden. (Oh ja, das ist ein Studium, 5 Jahre!). Aber dass es eine Form abgeschlossener Ausbildung ist, müsste mit etwas gesundem Menschenverstand klar sein.

Ich habe mich dann entschlossen, auf diese Bewerbung nicht zu reagieren, obwohl ich im Normalfall auf jede antworte.

*das ist die Grösse, die man bekommt, wenn man ein normales Schreibblatt in die Hälfte faltet und dann nochmals in die Hälfte faltet.