Alles Gute zum Geburtstag, Opa!

Ich will nicht vergessen zu erwähnen, dass heute mein Papa Geburtstag hat.

Dass er hier heute Opa genannt wird, nimmt er mir glaub nicht übel, hat er doch schon an meiner und Kuschelbärs Hochzeit darauf hingearbeitet, als er bei seiner Rede darauf hinwies, dass er auf baldigen Nachwuchs hoffe. Bittesehr!

Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn als Papa gehabt habe, war er doch immer der ruhige Pol der Familie und der kreative Handwerker. Er hat jetzt schon sein zweites Wohnmobil selbst ausgebaut – und wie praktisch das ist!

Auch wenn etwas mal nicht so will, wie es soll, nimmt er es gelassen. Und egal, ob ein Gerät nicht mehr geht oder man irgendwo ein „Bobo“ hat. Sein Standardspruch: „Schmieren und Salben hilft allethalben!“ lässt sich auf beides anwenden.

Von ihm habe ich meine künstlerische Ader und er hat mir und meinem Bruder auch das Schwimmen und Skifahren beigebracht.

Also Opa: Alles Gute zum Geburtstag und viele weitere gesunde und schöne Jahre!

Die äussere Wende (2. Teil)

(Hier findet sich der erste Teil)

Freitag morgen: Wir sind sehr früh ins Spital, weil die Schwester noch die ganzen Aufnahmeformulare durchgehen muss. Ich bekomme einen Wehenmesser umgeschnallt. Die Schwester meint: „Aha, sie haben Vorwehen. Spüren Sie etwas?“ Nö.

Als nächstes bekomme ich einen Zugang in die Handvene und werde an einen Tropf mit Wehenhemmer gehängt.

Der Arzt kommt und stellt sich vor.

Um 8 Uhr ist es soweit und ich werde in den Operationssaal gekarrt. Gottseidank ist Kuschelbär bei mir, denn ich hasse Operationssäle. Sobald ich das Grün der Ärzte sehe, werde ich nervös. Ich glaube das ist bei mir noch ein Überbleibsel von der Mandeloperation, die ich als Kind hatte – kein angenehmes Erlebnis. Man hängt mich an ein automatisches Blutdruckmessgerät und an der anderen Hand einen Finger an die Blutsauerstoffmessung. Man liegt auf dem Schragen mit den Armen rechts und links von sich gestreckt – fast wie festgeschnallt.

In dem Moment, wo alles bereit ist und das Ärzteteam sich bereitmacht (da sind neben meinem Mann noch mindestens 5 andere Personen im Raum, alle in Grün) – kommt ein Alarm hinein. Man hängt mich wieder ab und fährt mich ins Wartezimmer zurück.

Offenbar haben sie eine Schwangere, die ihr 3. Baby bekommt. Bis gestern abend war alles in Ordnung, aber als jetzt die Wehen anfingen haben sie bei der Untersuchung bemerkt, dass sich das Baby in letzter Minute in Steisslage gedreht hat! Sie wollen versuchen, ob sie es doch durch eine normale Geburt bekommen kann, aber falls nicht, brauchen sie den OP für den Kaiserschitt. Auch das gibt es offensichtlich.

Ich bin (als Nicht-Notfall) in Wartestellung.

Die Zeit vergeht. 11 Uhr – Inzwischen haben sie mir über den Zugang Glucoselösung gegeben: ich musste ja nüchtern kommen und darf bis nach der Prozedur nichts essen. Aber inzwischen habe ich Hunger!

12 Uhr und die Nachricht kommt, dass die Frau doch einen Kaiserschnitt bekommt. Danach müssen sie den OP wieder reinigen und vorbereiten.

3 Uhr und es ist (endlich) soweit.

Ich werde wieder in den OP gerollt. Kuschelbär muss sich ein neues grünes Gewand anziehen. Man schnallt mich wieder auf den Schragen.

Jetzt werde ich super-nervös und fange tatsächlich an zu zittern am ganzen Körper – Schüttelfrost vor Nervosität. Ich bekomme etwas Beruhigendes via Infusion, Kuschelbär hält meine Hand, dann geht es los.

Eine Person ist für die Überwachung des Babys zuständig: Pulskontrolle.

2 Personen drehen am Bauch. 2 weitere Personen stehen für alle Eventualitäten bereit.

Es ist echt nicht angenehm. Vorher wurde anhand eines Ultraschalls noch bestimmt, in welche Richtung gedreht wird (im Uhrzeigersinn bei mir, weil er schon etwas in diese Richtung liegt), dann geht es los. Der eine Arzt sucht durch die Bauchdecke hindurch den Kopf des Babys, der andere den Po. Und dann wird gedrückt und geschoben. Die Krafteinwirkung ist gewaltig. Es schmerzt auch recht, ist aber auszuhalten.

Man dreht nur bis Knapp über die Mitte, den Rest muss das Baby selbst machen.

Erster Versuch. Drück! Quetsch! Schieb! Es ist anstrengender als man meinen sollte, wenn man ja nur da liegt und nichts aktiv macht. Dann lockerlassen und schauen. Junior rutscht wieder in die Ausgangslage zurück. Mist.

Also noch ein Versuch. Einen Moment sammeln und weiter. Drück! Quetsch! Schieb! Es schmerzt. Auf einmal meldet sich die Person, die das Baby überwacht: Pulsabfall! Der Puls ist von normal 140 auf 80 abgesunken. Das ist gar nicht gut. Die Ärzte beraten sich kurz, dann sagt der Chef: „Es wäre besser, wenn wir jetzt einen Kaiserschnitt machen, um ihn herauszuholen. Ist das ok?“ (Huh? Kann/soll ich jetzt etwa Nein sagen?). Ja, ok.

Ich denke nur: „Oh mein Gott. Jetzt bekomme ich das Baby doch noch heute. Jetzt! Per Kaiserschnitt. (Mist!).“

Der Anästhesist: „Bitte drehen sie sich zur Seite. Machen Sie einen runden Rücken. Jetzt pickst es etwas.“ (Die Epiduralanästhesie). „Drehen Sie sich wieder zurück auf den Rücken. Ich zwicke Sie jetzt, spüren Sie etwas?“ (Nein). In der Zwischenzeit hat man schon einen Sichtschutz zu meinem Unterbauch aufgebaut. Ich bekomme eine Art Klebefolie aufgeklebt, dann wird mit raschen Schnitten die verschiedenen Schichten bis zur Gebärmutter geöffnet. (Davon sehe und spüre ich aber nichts).

„Mach ein Foto!“ Sage ich noch zu meinem Kuschelbaer, jetzt kommt Junior auf die Welt.

Ein Ziehen und das Gefühl, dass etwas rausrutscht. Dann ein Schreien! Junior ist da. Und so wie es sich anhört ist er fit.

Ja, ihm geht’s gut. Offenbar war das Drücken von aussen ein rechter Stress für ihn, aber er hats gut überstanden.

Als ich ihn auf die Brust gelegt bekomme und er mich das erste Mal ansieht, ist mir aber klar: Es ist total egal, wie er auf die Welt gekommen ist.

Hauptsache er ist da! Und gesund.

Die äussere Wende (1. Teil)

Als ich mit Junior schwanger war, merkte ich schon bald einmal dass er sich wohl gut bewegte, nur drehen (nämlich den Kopf nach unten), das machte er nie. Das sollte er aber, das wäre die richtige Lage für die Geburt. Im Fachjargon nennt man das : das Baby sitzt mit dem Kopf nach oben in der Gebärmutter. Die Frauenärztin meinte, das braucht mich nicht zu beunruhigen, ich könnte aber probieren, ihn dazu zu animieren mit Geräuschen (Musikbox) oder einer starken Taschenlampe mit denen man immer wieder den Bauch herunter fährt und unten verharrt.

Als Junior im Geburtsvorbereitungskurs in der 35. Woche trotz zureden immer noch keinerlei Anstalten gemacht hat, sich zu drehen, gab mir die Hebamme noch die Aufgabe so oft wie möglich die indische Brücke zu machen. Ich brückte und versuchte es weiter mit Licht und Musik – nichts. Fürs war es laut Hebamme schon zu spät.

Das ist die „indische Brücke“. Im Normalfall macht man sie während der Schwangerschaft aber mit Kissen unter dem Becken – weil das sonst doch recht anstrengend wird und man die Position eine Weile halten muss.

Der Geburtstermin rückte näher. Langsam stellt sich die Frage: Was gibt es für Varianten für die Geburt?

Hoffen und Warten, ob sich Junior nicht doch noch von selbst auf den Kopf dreht. Erscheint mir aber je länger je mehr unwahrscheinlich.

Eine Normalgeburt mit Kind in Beckenendlage (auch Steisslage genannt) ist nicht toll. Viele Spitäler machen das gar nicht, v.a, nicht bei Erstgebärenden, weil das Risiko für das Kind doch recht erhöht ist (Sauerstoffmangel während der Geburt, Verletzungsgefahr). Das Kantonsspital bei uns macht es, aber nur wenn Kopfdurchmesser und Gewicht unter bestimmten Parametern liegen.

Ein Kaiserschnitt. Relativ Risikoarm für Mutter und Kind. Wird nicht in meinem Wunschspital durchgeführt. Man holt das Baby 2 Wochen vor dem Termin, damit keine Wehen die Prozedur beeinträchtigen. Ich hätte aber schon gerne eine normale Geburt für Junior. Man hört oft, dass dem Kind etwas fehlt, wenn man ihm diesen „Geburtsstress“ nimmt.

Eine Wende von aussen und dann (hoffentlich) eine normale Geburt. Chancen: ca. 50% dass es klappt, ca. 50% dass es nicht funktioniert (zurück zu den obigen beiden Varianten) und ein verschwindend kleiner Prozentsatz, dass es während der Prozedur zu einer Komplikation kommt – z.B: einer Placentaablösung, dann müssen sie das Baby rasch per Kaiserschnitt holen. Aus diesem Grund wartet man auch bis etwa in die 38. Woche, bis das gemacht wird und es wird im Spital gemacht, wobei alles für eventuelle Notfälle bereitsteht.

Die 38. Woche kommt. Junior hat sich immer noch nicht gedreht.

Also meldete mich die Frauenärztin im Spital an für die äussere Wende. Nach einem ersten Gespräch über die möglichen Varianten (s.o.) und einer Diskussion der Risiken wurde ein Termin abgemacht für eine Vorbesprechung mit der Ärztin und den Tag darauf die Wende. Die Besprechung war am Donnerstag Abend, dabei wurde noch einmal auf die Erfolgschancen eingegangen (50%), die möglichen Risiken, wie das Ganze vor sich geht, Familiengeschichte erstellt, Anamnese (Krankengeschichte), die Patientenerklärung unterschrieben etc.

Zuhause packe ich alles fürs Spital – nicht nur für ein paar Stunden, sondern für ca. 1 Woche (Falls der unwahrscheinliche Fall eintritt). Im letzten Moment denke ich noch daran, den Fotoapparat mitzunehmen (man weiss ja nie). Im Geschäft sage ich meiner Stellvertretung Bescheid, dass ich wohl Montag wieder da bin, andernfalls bekommt sie ein Telefon.

(wer wissen will, wie es weitergegangen ist, schaue hier)